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Verlernt der Mensch das Sprechen? Die kulturelle Bedeutung von Smartphones...

Da stehen oft ganze Gruppen mit Leuten schweigend rum, keiner spricht mit seinem nächsten und alle starren auf ihr Smartphone ...
Wolfgang (SAGEN.at)
In Aachen steht vor der Hochschulbibliothek die Plastik "Menschen im Gespräch". Als meine Tochter noch klein war, kroch sie gerne zwischen den Beinen der Steinmenschen hinein und sah das Ganze dann aus diesem Blickwinkel. Die etwa 50 Jahre alte Skulptur hätte eine Aktualisierung nötig!
 
Die etwa 50 Jahre alte Skulptur hätte eine Aktualisierung nötig!
Vielleicht war ja das das Denkwürdige, was der Künstler für spätere Generationen aufbewahren wollte: dass es seinerzeit Menschengruppen gab, die miteinander noch real sprachen!

Wolfgang (SAGEN.at)
 
ob der Mensch das Sprechen verlernt, glaube ich nicht, aber er paßt es seiner Schreibweise an. Da durch das Internet viele Fremdwörter / Abkürzungen und Dergleichen übernommen werden, ändert sich auch unser Sprachbild. Vielleich entsteht so einmal eine Völkerverbindende Sprache.
 
Esperanto war mal "in", ein Großonkel von mir , der Lehrer war, war in so einem
Verein. Auch die Kleinschreibung, ähnlich wie im Englischen, war mal angedacht.
Fände ich auch nicht schlecht (zeitgemäß), also nur noch Satzanfang und
Eigennamen groß. Wie ist die Meinung dazu? -Ulrike
 
Ich weiß nicht, ob ich es nur aus Gewohnheit irritierend finde.
Für Informationen würde es vielleicht reichen, aber z. B. ein Buch würde ich nie so lesen wollen.
 
Sprache und Schrift sind "lebende" Kulturgüter, welche sich stetig verändern. Die muss man nicht künstlich kastrieren. Hin und wieder die Regeln an die geübte Praxis anzupassen genügt doch. Das halte ich auch für notwendig.
 
Auch die Kleinschreibung, ähnlich wie im Englischen, war mal angedacht.
Fände ich auch nicht schlecht (zeitgemäß), also nur noch Satzanfang und
Eigennamen groß. Wie ist die Meinung dazu? -Ulrike
Ich wäre sehr dafür (gewesen), leider war da nur eine Mini-Reform, die im Grunde nix gebracht hat.
Mit dieser sogen. totalen Kleinschreibung bräuchte man in der Grundschule viel weniger Zeit mit der Rechtschreibung und ihren Regeln zu verbringen, man könnte sich viel mehr der Sprache und ihrer Verwendung (mit richtiger Grammatik ) widmen - nur einer von vielen Vorteilen...

Außerdem wird eh nur noch von Amts wegen groß-klein geschrieben, nicht nur junge Leute schreiben ihre Sms und Mails total klein.

Ich hab einmal gehört, dass für die RS-Reform der Mauerfall zu früh gekommen ist: Österreich und die DDR wären für die Kleinschreibung gewesen, danach hatte natürlich "Deutschland" das Übergewicht.
 
Bleiben wir hier bitte beim Thema "Smartphones"!

Also bitte hier nicht Handy, nicht Esperanto, nicht Rechtschreibung etc. ...

Bitte zur Diskussion anderer Themen, gerne einfach neues Thema starten!

Wolfgang (SAGEN.at)
 
Zum Thema passend! :D

Heute bei einer kleinen Wanderung
auf der Königswarte aufgenommen!

Junge Leute von heute.

Königswarte 076.jpg
 
Eine sehr schöne und in iteressante Diskussion, die sich hier um einen Gebrauchsgegenstand entwickelt hat - dabei ist eigentlich schon der Name "Smartphone" ein weiterer Akt der Vergewaltigung der deutschen Sprache.

Was ist eigentlich so faszinierend an diesem Gerät? Es ist wohl der mehr oder minder gelungene Versuch, die Funktion vormals verschiedener technischer Geräte in einem Gerät zusammenzufassen. Voraussetzung war natürlich die extreme Miniaturisierung von Schaltungen in den letzten 20 Jahren sowie die massenhafte Produktion billiger berührungsempfindlicher Bildschirme. Bis vor ca. einem Jahr ging die Entwicklung hin zu immer kleieren Geräten mit natürlich auch immer kleinerem Display, die sich kaum mehr bedienen liesen. Seit ca. einem Jahr dann Maxigeräte wie z.B. das SAMSUNG Mega.

Eine Vielzahl von Betriebssystemen, von denen Android und iOS was taugen, daneben Fehlentwicklungen wie Bada oder Windows Phone für den Liebhaber bunter Kacheln.

Was taugen die neuen kleinen Wunderkisten? Sie haben eine zufriedenstellende Telefonfunktion, man kann damit Nachrichten schreiben, ins Internet gehen und ein Mediaplayer ist auch integriert. Einige andere Funktionen sind mit Einschränkungen nutzbar wie die Erstellung von Fotos und Videos (bis auf ganz wenige Ausnahmen fehlender optischer Zoom) / eingeschränkt nutzbar als e-Book-Reader / eingeschränkte Nutzbarkeit als Navigationsgerät (z.B. fehlendes TMC) / Spiele teilweise sinnvoll spielbar / Officeprogramme in abgespeckter Version nutzbar.
Größtes Problem dabei das selbst bei großen Geräten immer noch kleine Display.

Mit einem Smartphone telefoniert man übrigens nicht - man connectet sich, um sich hinterher zu meeten, weil man chillen will! O-Ton hiesiger Gymnasiasten im Jahre 2013.

Was die Aussage
"dass das Smartphone die größte Kulturleistung der Menschheit zumindest der letzten 120 Jahre darstellt"
betrifft, möchte ich diese doch klar in Zweifel stellen.

Neben den gewaltigen gesellschaftlichen Veränderungen der letzten 120 Jahre und deren signifikanten Auswirkungen auf die Bevölkerung unseres Planeten hatten selbst technische Erfindungen wie die Massenmobilität durch Motorfahrzeuge einen wesentlich höheren Stellenwert für die Gemeinschaft und das Individuum. Die Funktionalität des Smartphones kann man heute schon bei vielen Automobilherstellern als Zusatzpaket zum Neuwagen ordern - Foto- und Videofunktion sind dabei noch ausbau- bzw. integrationsfähig, andere Dinge wie die Navifunktion sind dagegen von weit höherer Qualität.

Was den Gebrauch des Smartphones angeht ist übrigens nicht uninteressant, dass es bis vor 2, 3 Jahren vor allem Statussymbol bildungsferner Schichten war - sicher ein Fakt, der Anlass zur weiteren Diskussion sein könnte.

Eine charakteristische Beschreibung des Smartphones findet sich in satirischen Internetenzyklopädien unter https://de.uncyclopedia.co/wiki/Smartphone sowie https://www.stupidedia.org/stupi/Smartphone, denen man nur voll zustimmen kann. Zu ergänzen wäre hierbei lediglich, dass das Smartphone bei Servicetechnikern aller Art als Ersatz für Reparaturhandbücher dient - ein durchaus sinnvoller Gebrauch, soweit Schaltpläne auf dem Minibildschirm noch interpreteirbar sind.
Ein weniger schöner Einsatzzweck ist das ferngesteuerte Zünden von Sprengsätzen mittels eines Smartphones, wobei man sich über WLAN-fähige Opferkameras auch die Detonation und deren Folgen anschauen kann.

Ein echtes Problem stellt die Smartphonebenutzung übrigens für junge Mütter dar, selbst schon mehrfach erlebt. Auf Bus oder Bahn wartend, in einer Hand das Kleinkind, dann noch ein Kinderwagen mit dem jüngsten Nachwuchs und gerade eine Mail schreibend. Gerade jetzt kommt das ÖPNV-Gefährt. Irgendwie gelingt es einzusteigen, ohne dass Personenschäden entstehen und dann wird während der ganzen Reise gemailt und telefoniert - nur der eigene Nachwuchs wird ignoriert.

Die positive Nachricht: noch ist es in Deutschland möglich, ein Universitätsstudium in den Fächern Mathematik und Informatik mit exzellenten Ergebnissen zu absolvieren und in der Softwareentwicklung des größten deutschen Technologiekonzerns zu arbeiten, ohne ein Smartphone zu besitzen. Der Untergang des Abendlandes kann also noch etwas warten.

Dresdner, der ein Note II nutzt
 
Vielen Dank für Deinen Beitrag!

Dennoch bringe ich keine unüberlegte Aussage:

Was die Aussage
"dass das Smartphone die größte Kulturleistung der Menschheit zumindest der letzten 120 Jahre darstellt"
betrifft, möchte ich diese doch klar in Zweifel stellen.

Neben den gewaltigen gesellschaftlichen Veränderungen der letzten 120 Jahre und deren signifikanten Auswirkungen auf die Bevölkerung unseres Planeten hatten selbst technische Erfindungen wie die Massenmobilität durch Motorfahrzeuge einen wesentlich höheren Stellenwert für die Gemeinschaft und das Individuum.

Es gibt allein mehr Android-Smartphones als es Autos gibt...
Zudem gibt es (mit den beim Zitat den genannten Ausnahmen) keinen Fleck mehr auf der Welt, wo Menschen keine Smartphones haben. Also auch alle Regionen, wo gar kein Auto hinkommt.
Zudem ist ein Kraftfahrzeug in allen Ländern der Welt nur mit besonderer Qualifikation (= Führerscheinprüfung etc) zu bedienen, während Smartphones altersunabhängig und sonst ohne weitere Barriere bedienbar sind.

Also bitte ein besseres Gegenargument :)

Wolfgang (SAGEN.at)
 
Da es für die
größte Kulturleistung der Menschheit
kein objektives Kriterium gibt (abgesehen davon, ob es eine solche überhaupt gibt, was ich persönlich verneine) ist die Beantwortung der Frage immer eine rein subjektive Interpretationssache.:smi_klats
Das ist wie mit der Werbung für die älteste Bergschwebebahn der Welt. Bozen, San Sebastian und Dresden werben damit - jede Stadt hat ihre Argumente und die Welt ist groß genug, auch "drei Unikate" zu verkraften.

PS: Neben autofreien Gebieten gibt es auch noch Gegenden ohne Handyempfang, so die Insel Lombok bei Bali, Teile Islands, Australiens Outback, Namibia außerhalb der Wohngegenden und Teile Kanadas.
 
Zudem ist ein Kraftfahrzeug in allen Ländern der Welt nur mit besonderer Qualifikation (= Führerscheinprüfung etc) zu bedienen, während Smartphones altersunabhängig und sonst ohne weitere Barriere bedienbar sind.


Wolfgang (SAGEN.at)

Ist aber doch ein ziemliches Glück, dass es nicht umgekehrt ist, zumindest, was die Auswirkung auf die Umgebung angeht :D
 
Insel Lombok bei Bali
Lombok ohne Internet kann ich mir eigentlich nicht vorstellen. Lombok ist doch ein äußerst bekanntes Ziel für Touristen in klimatisierten Reisebussen. Dass die weiteren 17.000 indonesischen Inseln vermutlich teilweise kein Internet haben, kann ich mir vorstellen, doch das schließt ja eine Smartphone-Nutzung nicht aus. GPS-Empfang haben sie jedenfalls sicher.

PS: habe jetzt in verschiedenen Reiseforen nachgeschaut: Lombok hat sehr wohl ein ausgebautes Handy-Netz mit Internetzugang, weiters haben alle Hotels WiFi/WLAN.

Tatsächlich überraschend in Bezug auf Internet fand ich die ORF-Meldung vor ein paar Tagen über Somalia, seit 1991 im Bürgerkrieg:

Somalia: Al-Schabab will Internet verbieten​
Radikale Islamisten haben in Somalia einen Feldzug gegen das Internet begonnen. Die berüchtigte Miliz al-Schabab erklärte gestern am späten Abend, „der Gebrauch des Internets auf Mobiltelefonen und durch Glasfasertechnologie im ganzen Land“ werde „verboten“. Wer das ignoriere, werde behandelt, als arbeite er mit dem Feind zusammen.​
Offenbar befürchtet die Gruppe, in dem Krisenland online ausspioniert zu werden. Alle Firmen, die in dem Sektor tätig seien, hätten 15 Tage Zeit, ihre Dienstleistungen und Angebote einzustellen, hieß es in der im Rundfunk verbreiteten Botschaft. Der größte Anbieter Hormuud Telecom hatte Ende 2013 angekündigt, Somalia mit südafrikanischer Hilfe an das um Afrika verlaufende Glasfaserseekabel anzuschließen.​
Die Miliz versucht seit Jahren, in dem Land am Horn von Afrika einen Gottesstaat auf Grundlage der islamischen Rechtsprechung Scharia einzuführen. Sie beherrscht vor allem Teile im Süden und im Zentrum des Landes und verübt regelmäßig blutige Anschläge in der Hauptstadt Mogadischu. Zur Rekrutierung neuer Kämpfer und zur Verbreitung von Bekennerschreiben hat die Gruppe bisher selbst regelmäßig Internetdienste genutzt.​
Quelle: ORF.at

Wolfgang (SAGEN.at)
 
Was die Bergschwebebahngeschichte anbelangt, datiert die Betriebseröffnung der BSB Dresden mit 1901 vor jener der Bleichertschen Rekordseilbahn aus dem Jahre 1905.

Handynutzung auf Lombok - ja, GPS sollte überall auf der Welt möglich sein und falls dort auch überall Handyempfang möglich ist - selbstverständlich gönne ich das den Inselbewohnern.

Zwei weitere Anmerkungen zum eigentlichen Thema.

Interessant, dass auch Handys im ausgeschalteten Zustand kommunizieren (https://www.pcwelt.de/ratgeber/Sile...r-Handys-aufspueren-und-abhoeren-6144406.html) und schon eher ärgerlich, dass die meisten Apps über derart viele Berechtigungen verfügen, dass das kaum noch verständlich ist. Sowohl vorinstallierte als auch Apps aus dem Store sind extreme Datenschnüffler, siehe auch (Administrator: Link existiert nicht mehr).
Dresdner
 
Na gut, Dresden liegt mit 1901 vor der Seilbahn Chilecito-La Mejicana 1905 ;)

Auch sonst stimme ich Dir in allen Punkten zu: dass alle Smartphones und deren Betriebssysteme fröhlich in allen Daten einschließlich Standortdaten spionieren, ist ein schwerwiegender Missbrauch.

Es wird sich in den nächsten zwei Jahren herausstellen, wie die Menschheit mit dieser ständigen Spionage umgehen soll?
Erstes prominentes Opfer ist sicher die Firma Microsoft aus Selbstverschulden, die mit dem kombinierten Smartphone/PC-Betriebssystem "Windows 8" (das neben vielen anderen Schwächen ein ganz eifriger Spion ist) auf breiteste Ablehnung sowohl von Seiten der Benutzer, als auch von Institutionen, Behörden, Firmen etc. stößt. Keine ernsthafte Firma wird sich freiwillig ein spionierendes Betriebssystem ins Haus holen.

Ich persönlich vermute, dass aus genau diesem Grund die Internet-Zugänge in Firmen und Unternehmen wieder abgestellt werden (oder getrennte Netze) und Mobilgeräte bzw. Smartphones mit Löschsystemen beim Firmentor gelöscht werden.

Wolfgang (SAGEN.at)
 
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