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Alte Worte

GRAUPANIGL`N
(Kuchen mit viel Rum und Kokosstreuseln) GRAUPAN (Streusel, wird aber auch zu Eisregen gesagt) vermutlich aus dem slawischen Krupa für „Graupe, Grütze, Hagelkorn"
In der Ostschweiz ist "Graupe" wenn es so "ziböllelet" - das ist dann Graupenschauer, nicht Hagel, eher im Winter wenn der Schnee gefroren vom Himmel fällt...

KIRTARAFF`N
Kirtag (Kirchtag) Früher wurde auf deisem Volksfest wohl wirklich gerauft, heute rauft man sich dort nur um die wenigen Waren die noch angeboten werden.
Bei uns findet der Kirtag traditionell am Tag des Kirchenpatrons statt.
 
bei und hieß das früher (Großeltern, Mutter...) GRAUMPAT. Irgendwann fiel das M weg. GRAUPAT steht für grob, Benehmen wie Materialien.
Graupanigl gefällt mir :). Der Ursprung ist interessant.

Kirtaraffa sagte man auch zum Besuch dort (gemma kirtaraffa), Opa hat sich jedes Jahr beim Leonhardi-Kirtag (St. Leonhard/Forst) einen Hut gekauft, Oma war schon ganz narrisch: hei bleibst dahoam, sagte sie immer...
 
Servus an alle,

es macht Spaß, hier mitzulesen, das weckt Kindheitserinnerungen.
GRAUPAT habe ich als Kind in der Bedeutung von "ungepflegt" gehört:
am Morgen noch graupert (graupat) aussehen. Nach dem Aufwachen war man meist auch noch tramhappert.
Graupert kann aber auch eine Pflanze sein (zerzaust, mickrig).

Mir gefiel als Kind besonders der Ausdruck "a graupates Mandl" (so bezeichnete meine Mutter scherzhaft ungepflegte Männer). Heutzutage gibt es natürlich keine grauperten Mandln mehr. ;)

War ein Gegenstand (der eigentlich gerade sein sollte) gebogen oder schief, dann war er WENKERT.
 
UMURKEN = unmögliche Frau
Im Wiener Raum hörte ich dieses Wort auch für Gurken.
Neugierig sah ich jetzt im Wörterbuch nach (Grimm/DWB) und dort findet man:
"Unmurke,f., cucumis sativus ... aus ungarisch umorka (Schullerus siebenb. wb. 1, 221a) in den südosten unseres sprachgebiets eingedrungen; ... figürlich für die Nase"
Also ein ungarisches Lehnwort.
 
Wirklich interessant - hat im Ungarischen dann nichts mit Gurke zu tun, oder nur wenn man mit der Nase Pech hat.
Statt Umurkn wurde übrigens auch Gurk´n (mit entsprechendem Beiwort) für die gleiche Besetzung verwendet.

KEST´N - Kastanien
 
FEAGLN (mit einem stumpfen messer/schere schneiden)

GACH (schnell, ruckartig, rasch)

MIT AN HODAN (mit einer hohen geschwindigkeit)

DERISCH (taub)
 
FEAGLN (mit einem stumpfen messer/schere schneiden)

GACH (schnell, ruckartig, rasch)

MIT AN HODAN (mit einer hohen geschwindigkeit)

DERISCH (taub)


Alle diese Worte sind noch heute fest in meinem Sprachschatz verankert,
so das von "alt" im Sinne von Ausgestorben nicht die Rede sein kann.
Im Gegenteil das sind Worte eines sehr lebendigen Dialektes.

Wer hingegen weiß noch was mit "Lotter" gemeint war?
 
Ein "Lotter" ist ein Bettler, wird aber auch manchmal abfällig für einen alten, armen Mann gebraucht.

"Gach" und "Derisch" (bzw. "Toret") leben auch in meinem Sprachgebrauch.

Berit
 
Alle diese Worte sind noch heute fest in meinem Sprachschatz verankert,
so das von "alt" im Sinne von Ausgestorben nicht die Rede sein kann.
Im Gegenteil das sind Worte eines sehr lebendigen Dialektes.

Mit "alt" ist "althergebracht" (auch ein altes Wort) gemeint, etwas das es gilt am Leben zu erhalten. Alt aber gut und nicht abgenutzt und ausgestorben :) .
Unsere Sprache ist schon so von Anglizismen durchzogen, das man es fast nicht mehr wahrnimmt oder glauben könnte, manche schämen sich der deutschen Sprache. Das Eigentümlichste hab ich mal von einem sogenannten Austropopper (keiner der A3) gelesen, der meinte, er mag das Wort "Liedermacher" nicht, er sieht sich als Singer/Songwriter. Na super, dabei ist der mit Dialekt-Liedern bekannt geworden (und geblieben) und die paar anderen waren Lückenfüller und im Radio kaum zu hören.
 
Das Wort "Liedermacher" ist bei den in diesem Genre handenden Personen
schlecht besetzt.
Dies mag vielleicht als Entschuldigung herhalten.

Selbst der große Danzer fühlte sich mit diesem Begriff nicht wohl.
Er meinte noch in seinem letzten Konzert, das übrigens auf der
Doppel-CD "Manchmal kanns auch regnen" nachzuhören ist:
"Es gibt leider im Deutschen kan' wirklich passenden Ausdruck
für das was so Leut' wie wir machen."

Ansonsten nehme ich den Hinweis über die Definition von "alten Worten"
natürlich gerne auf.
Es war ohnehin nicht meine Absicht jemanden maßzuregeln.
Wenn das so rübergekommen ist, möchte ich mich bei Sonja entschuldigen.
War wirklich nicht böse gemeint.
Ich wollte nur damit sagen, ich die genannten Worte heute noch
ganz selbstverständlich in meinem Sprachgebrauch habe uns sie
auch von meiner Umwelt problemlos verstanden werden.

Jetzt aber wieder zu einem alten Wort.
Wer von euch war schon mit einem "Dodl" im Bett?
 
Wenn frau Pech hat, kann alles sein :D.
Aber hats wirklich damit zu tun? Dodl ist sowas wie ein Einfaltspinsel, oder kennst du da was Spezielles?
 
Da fällt mir noch eine Einschlafhilfe ein: heißt bei euch vielleicht der Thermophor so?
 
Richtig!
Dodl ist ein alter Innviertler Ausdruck für Thermophor oder auch eine Wärmflasche.

Meine Urgroßmutter prägte dafür den Ausdruck "Gummihansi".
Wir sind mit diesem Wort in der Familie aufgewachsen und es war
ganz normal für uns.
Bis ein Familienmitglied eines Tages in einer Apotheke einen "Gummihansi" verlangte. Es entsand ein peinliches Schweigen, denn die Apothekerin
vermutete ein völlig anderes Produkt.
Unser Familienmitglied verließ darauf hin fast fluchtartig diese, einem
christlichen Krankenhaus angeschlossenen, Apotheke.
 
Lustige Geschichte :), als Kind erinnere ich mich nur an "Thermophor", später übernahm ich von irgendwo "Schlumpi".
 
Off topic:
In diese Kategorie fällt ein Werkzeug, dessen Namen ich bis heute nicht in Erfahrung bringen konnte: Es ist dieser "Stampfer" mit einer Gummi-Glocke, der zum Lösen von Verstopfungen bei Wasserabflüssen und Toiletten dient. Ich hörte schon die lustigsten Namen und Bezeichnungen.
Einmal sprach ich Installateure darauf an. "No des is da Hektor." war die Antwort.
Seither heißt der Unaussprechliche bei uns schlicht Pömpl :)
 
Zwei Bezeichnungen, die man kaum noch hört, sind OTTOMAN und DIWAN.

Ottoman war bei uns eine Liege, die aus einem massiven Holzgestell bestand, das mit ca. 7 cm breiten und mindestens 1.5 cm starken Gummigurten in Webart bespannt war, dadurch konnte man herrlich drauf springen.
Google stellt unter diesem Namen ganz andere Möbel vor.
Und bei den Großeltern war alles ein Diwan, was kein Bett war. Erst später setzte sich die Soff (Sofa) durch.
 
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