• Willkommen im SAGEN.at-Forum und SAGEN.at-Fotogalerie.
    Forum zu Themen der Volkskunde, Kulturgeschichte, Regionalgeschichte, Technikgeschichte und vielem mehr - Fotogalerie für Dokumentar-Fotografie bis Fotogeschichte.
    Registriere Dich kostenlos, dann kannst Du eigene Beiträge verfassen.

    Hinweis: Benutzer des vorigen Forums müssen sich nicht erneut anmelden, alle Daten wurden importiert.

SAGEN.at

Administrator
Teammitglied
Hier ein seltenes Rezept aus traditioneller Tiroler Küche:

Vom Rö(r)lkoch

In Thiersee gab es in vergangenen Jahrzehnten als Frühstück ein Rö(r)lkoch, auch abends kam es zeitweise auf den Tisch. Dieses Koch wird aus Hafermehl, das auf besondere Art hergestellt wird, zubereitet.

In früheren Jahrhunderten wurde sehr viel Hafer angebaut. Aus einem Inventar des Hockengutes von 1781 geht hervor, dass 36 Har „Haaber" und 2 Star „Rendl Mehl" vorhanden waren. Der Hafer wurde etwas überreif geschnitten. Beim Drusch fielen die „Flaidn" (Hüllspelzen) ab. Nun wurden die noch in den Deckspelzen steckenden Körner gedörrt. Dazu wurde meist der Brotbackofen, seltener war ein eigener „Darrofen" vorhanden, verwendet. Der Ofen wurde mit einer bestimmten, schon bekannten Menge Holz geheizt, bis der ganze Ofen heiß geworden war. Dann wurden Asche und Kohlenreste sauber herausgeputzt und 2 bis 3 Star Hafer hineingeschüttet. Wenn die Körner genug gedörrt waren, wurden sie herausgegeben, in Säcke gefüllt, blieben aber über Nacht noch beim warmen Ofen, damit sie nicht zu rasch abkühlten. Am nächsten Tag, keinesfalls später, kamen die gedörrten Körner zur Mühle.

Der Müller sagte es seinen Kunden stets zeitgerecht an, wenn er zum Mahlen des Rö(r)lmehls vorbereitet war. Er konnte nämlich hiezu den zum Mahlen des gewöhnlichen Mehles verwendeten Stein nicht gebrauchen, sondern musste einen eigenen Stein einsetzen. Nun wurden die Haferkörner aufgeschüttet. Dabei fielen die „Hafersprüan" (Vorspelzen) ab und die Körner wurden gebrochen. Sie mussten mehrmals aufgeschüttet werden, bis das Mehl in Ordnung war. Es war bräunlich und enthielt noch etwas „Graten". Heute wird kaum einmal diese umständliche Arbeit gemacht. So fällt damit das Rö(r)lkoch aus dem bäuerlichen Speisezettel weg. Bäuerinnen sagen, es könnten dazu auch die Haferflocken verwendet werden. Es wird wie jedes andere Koch gekocht und mit viel Schmalz in der Schmalzgrube auf den Tisch gestellt.

Quelle: Ludwig Weinold, Vom Rö(r)lkoch, in: Tiroler Heimatblätter, 44. Jahrgang, Heft 7 - 9, 1969, S.95

Wolfgang (SAGEN.at)
 
Oben