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Fördertürme von Zechen

Warum baut man die Fördertürme bei Zechenanlagen immer so hoch?
Am oberen Ende befinden sich ja nur die beiden Umlenkseilscheiben, durch diese die Förderseile wieder schräg nach unten zu der Fördermaschine geleitet werden. Die Umlenkseilscheiben könnten doch auch wesentlich tiefer angebracht werden. Gerade eben so hoch das der Förderkorb über Tage kommt.

Würde mich auf Antworten von Euch freuen, mfG Matthias
 
Hallo Matthias,
das hat mehrere Gründe.
Zum einen ist der Förderkorb mit der Seilkausche sehr lang. Bei 4 Etagen kommen da schon mal locker 10 m zusammen.
Zu diesen 10 Metern musst du noch den Platz hinzurechnen, den das Unterseil samt Einband benötigt. Das dürften auch so 4-5 Meter sein.
Und da man mit dem Korb auch möglichst tief fahren will. Also u.U. unter die tiefste Sohle braucht man dafür auch noch etwas Platz.
Das war die Samstag Nachmittag kurz Antwort. Ich hoffe ich konnte dir etwas helfen.

Grüße Volker
 
Hallo Volker!
das ging ja schnell. danke für deine Antwort.
Mit der Seilkausche das ist mir jetzt klar. Hab auch ein Foto von dir über die Kausche gefunden. Hätte nicht gedacht, das eine Seilbefestigung so Aufwändig ist.
Beim fahren unter die tiefste Sohle kann der obige Förderkorb dann schon mal in den Förderturm hinein (od. hinauf) fahren. Habe ich das so richtig verstanden.

Unklar ist mir aber warum das Unterseil die Höhe des Förderturmes beeinflussen soll, da es ja unter dem Korb befestigt sein muß?
Gruß Matthias
 
Stimmt. War ein Denkfehler von mir. Ich hatte da wohl den Schachtsumpf im Kopf.
Wichtig ist auch noch ein gewisser Sicherheitsabstand zur Seilscheibe.
An alten Schächten ist vor der Seilscheibe eine Fangeinrichtung o.ä. um beim Versagen der Bremse den Korb abzubremsen.
By Volker
 
In einem Fachforum habe ich weitere Ausführungen zur Höhe der Fördertürme gefunden:

Spezifische Fragen zum Thema "Seilstützkonstruktionen":

Frage : Warum haben die älteren Fördergerüste so hohe Aufbauten und Dächer, welche die Seilscheibenbühne oft weit überragen?

Antwort: Bevor es moderne Hochkräne gab, wurden die Seilscheiben mithilfe eines fest installierten Hebezeuges, welches eine feste Auflage (siehe Animation) benötigte, gewechselt. Deshalb werden diese Aufbauten auch Krangerüste (Kranbühnen) genannt. Die Dächer wurden erst mit dem Aufkommen der Hochkräne demontiert um einen problemlosen Seilscheibenwechsel zu ermöglichen. Diese waren zum Schutz der damals noch witterungsunbeständigen Materials gedacht. Es gibt verschiedene Ausformungen dieser Krangerüste, diese wurden je nach der Bauart, und dem auf dem Betriebsgelände für den Seilscheibenwechsel zu Verfügung stehendem Platz (sowohl nach vorne, hinten oder zur Seite), ausgelegt. Der Begriff "Seilscheibe" rührt übrigens aus den Anfängen des Bergbaus her, da zuerst "Räder oder Scheiben" aus Vollholz zur Aufwicklung, Führung und/oder Umleitung des Förderseils verwendet wurden. Der Begriff "Förderrad" ist eigentlich auch möglich, dieser wird aber im Sprachgebrauch fast nicht genutzt.

Frage: Warum werden die Fördergerüste und Fördertürme immer höher?

Antwort: Die Bauhöhe ist abhängig vom Verwendungszweck. Gerüste und Türme die der eigentlichen Hauptförderung dienen, sind zum Teil 70 oder mehr Meter hoch. Dies liegt an der Förderart, die natürlich pro Fahrt möglichst viel Fördergut transportieren soll. Daher werden bei Gestellförderung (Förderwagen) zur Zeit 6 oder mehr etagige Förderkörbe und zur Gefäßfördung ca. 20m hohe Skipgefäße eingesetzt. Um ein Skipgefäß zu entleeren, muss man es natürlich ganz zu Tage ziehen. Daraus resultiert die Bauhöhe. Gerüste, die der Wetterführung dienen oder nur für den Materialtransport oder zur Seilfahrt genutzt werden, sind in der Regel deutlich kleiner.
Quelle: http://www.foerdergerueste.de/geruestarten.htm - dort ist unter dem Unterpunkt "Fördergerüstbauarten" auch die Animation zu sehen

Dresdner
 
Hallo Volker, Nochmals danke für die Info.

Hallo Dresdner, ebenfals danke für deine Info. Der Link zu den Fördertürmen ist klasse. War schon mal auf dieser Seite, aber zu wenig durchgeblättert. Hier findet man alles was man braucht.
Deine Seilbahngeschichte ist auch nicht schlecht. Ebenfalls sehr interessant und gute Bilder.

Gruß Matthias
 
Unter : route industriekultur - oder: westfaelische bergbauroute -
finden sich im internet für technisch Interessierte viele Beiträge
mit Fotos." Berühmt" u.a. Zeche Zollern/Dortmund und viele andere
denkmalgeschützte alte Fördertürme, Schachtanlagen, Industriebauten usw.
Ich wohne ja ganz in der Nähe des Ruhrpotts! - Viele Grüße von Ulrike
 
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