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Suche Liedtext: In ...

morgensonne

New member
Hallo,


ein ganz besonderes Lied ist mir von meiner Omi in Erinnerung geblieben. Habe es nur von ihr gehört. Vielleicht kennt es hier in dieser Runde zufällig jemand und könnte es ergänzen:


In oan kloan Heisale
wohnt a kloas Zeisale
dem geht sei Schnabele
Tog ein Tog aus
Moch i de Fensterl auf,
fliagts auf mei Fingerl drauf.
Diandle, mogst net, so a Zeisale sein ...


Dies sind die Fragmente, an welche ich mich noch gut erinnere. Ich hatte dieses Lied so gerne. Und zwischen den Strophen jodelte sie einmalig.
Würde mich unglaublich freuen, wenn einem unter euch dieses Lied bekannt vorkäme.

Danke !!!
 
Hallo Morgensonne!
Die kämpft sich bei uns gerade durch den Nebel... :)

Ich kenne das Liedel von meiner Mutter und hab es mit ihr auch gesungen, die 2. Strophe fält mir momentan nur teilweise ein, aber ich komm schon wieder dahinter; dann schreib ich's dir da herein - außer jemand anderer weiß es inzwischen!

Interessant ist, was Frau Dr. Haid von der Volkmusikforschung dazu meint.
Aus (Admin: externer Link existiert nicht mehr) :
Ein Vogelfangerlied, das im Salzkammergut berühmt ist, singt nun der Ischler Viergesang (Nr. 12): "koa Gümpel, koa Zeisal, geht ein in mei Heisal". Auch hier ist das Vogelfangen eine Metapher für Frauenfang. Da gibt es einige Lieder, wo das so thematisiert wurde, auch welche, mit denen man sich meiner Ansicht nach heute nur mehr schwer identifizieren kann. Z.B. eines von einem böhmischen Mundartdichter, das interessanterweise auch ein paar volkstümliche Gruppen inzwischen singen. Dieses Lied ist um 1900 geschrieben worden:
"in an kloan Heisale,
sitzt a kloas Zeisale,
dem geht des Schnabele tagaus und tagein,
mach ich das Türl auf,
fliagts auf mein Finger drauf,
Dirndl mechst nit so a Zeisale sein?"

Kann ich nur drauf sagen ein lautes freudiges NEIN! Es geht viel schlimmer weiter, mir fällt dazu die Natascha Kampusch ein, wenn ich mir das durchlese.

Ich muss feststellen, diesen Hintergrund habe ich so nicht erkannt, aber gefallen hat mir der Text nicht, ein solches Zeisele hätt ich nie sein wollen...
Meine Mutter hat aber gemeint, das Zeisele hat ein "sicheres Dahoam".
 
Da hab ich was für Euch:

s`Zeisele

In an kloan’ Häusele sitzt a kloans s’Zeisele,
dem geht sei Schnabele, tagaus tagein
tu’ ihm des Türl auf, fliegts auf mein Finger drauf.
Aber Dirndl magst nit a so a Zeisele sein
aber Dirndl magst nit a so a Zeisele sein

Jodeln

Bauat a Häusele für mei kloans Zeisele
drin gang sei Schnabele, tagaus tagein
Singet ihm Liadl’n vir, i man di gfall’n dir
Aber Dirndl magst nit a so a Zeisele sein
aber Dirndl magst nit a so a Zeisele sein

Jodeln

Und wenn der Tag vergeht, wenns draußen finster werd,
tu ihm des Türl zu, ganz still und leis.
Daß niemand eina kimmt der uns den Frieden nimmt
Aber Dirndl magst nit a so a Zeisele sein
aber Dirndl magst nit a so a Zeisele sein

Jodeln

-------------------

... Naja, der Vergleich mit dem Fall Kampusch ist meiner Meinung nach ziemlich gewagt: Wir sollten uns dringend hüten, ausschließlich mit dem heutigen Wissen, dem heutigen Überfluß, dem heutigen Gedankengut, der heutigen Ausgangslage die Inhalte der alten Lieder so zu interpretieren!

Meiner Meinung nach handelt es sich hier um ein schlichtes Werbelied, das eine gebotene Sicherheit in einem gemeinsamen Heim zum Inhalt hat - die Metapher zum "Zeisig im Vogelbauer", der über den Winter in der sicheren, weil warmen Stube verbrachte, entstand aus der damaligen Gepflogenheit, Singvögel mit Leimruten zu fangen, um sie vor dem strengen Winter zu retten - und gleichzeitig Gesang, zumindest Gezwitscher während der dunklen Zeit in der Stube zu haben! (Mit heutigen Leimruten = Werbung hat man keine Probleme?)

Daß weder Leimrute noch Käfig im Einklang zum jetzigen Naturschutz stehen, ist wohl allen klar! Wie der aktuelle Stand ist weiß ich nicht, aber in Ebensee haben sich die Einheimischen bis vor kurzem immer noch gegen den Naturschutz gewehrt, weil sie den Fang der Singvögel zwecks "Überwinterung" (Gimpel, Kreuzschnäbel, ...) aus "Tradition" betrieben haben. Was letztlich in Wettbewerben und Ausstellungen gipfelte ....

Ein anderer (nicht ganz ernster) Vergleich: Wenn ich als alter Volkstänzer den Schuhplattler "Der Auerhahn" plattle, der ein eindeutiger Werbetanz war/ist, wo sich der "Mann" als aktiver, sportlicher Naturbursch präsentiert und dabei die Figuren der Auerhahnbalz stilisiert wiedergibt, könnte man mir ja auch unterstellen, daß ich anschließend alle anwesenden Hennen decken möchte .....

Na, da tanz ich zukünftig doch lieber nur den "Mollner Figurentanz" der ist harmloser, weil da gehts unter anderem ums Fensterln ... ;-)

Euer schuhplattelnder und tanzender
Norbert
 
Hallo Baru, hallo Norbert !

vielen lieben Dank - ich hab schon lange und in den unterschiedlichsten Büchern gesucht, doch nie entdeckt.

Es ist schön hier so viele Kindheitserinnerungen wieder beleben zu können. Ein schönes Forum, mit interessierten, wissenden und sehr hilfsbereiten Mitgliedern!

Die Interpretation von Dr. Haid möchte ich zur Kenntnis nehmen, doch ich selbst habe nie Ähnliches interpretiert. Als kleines Mädchen stellte ich mir immer einen Hausvogel vor. Ich kann mich erinnern, dass mir ein sehr liebgewonnener Wellensittich gestorben war. Ich glaube, den erkannte ich in diesem Lied. Auch ich hatte den Eindruck, dass es dem Zeiserl ja gut geht, ansonsten wäre es ja nach dem Öffnen der Tür od. des Fensters ja davongeflogen. Da es sich aber auf den Finger draufsetzte, symbolisierte es für mich Vertrauen.

Ich stehe manchen Interpretationen skeptisch gegenüber. Im Zuge meiner Ausbildung musste ich mich intensiver mit Bruno Bettelheim auseinandersetzen ("Kinder brauchen Märchen"...) Er interpretierte mit Hilfe der Psychoanalyse die meisten sehr bekannten Märchen. Bei der Deutung stellte es mir dann manchmal alle Haare auf, da ich vieles für weit hergeholt halte und persönlich niemals Ähnliches asoziiert hätte.
Mag schon sein, dass viele Ängste etc. die Märchen, Liedern, Sagen ... aufgearbeitet werden - aber ich möchte nicht alles auf die Sexualität reduzieren. Es kann meiner Meinung nach auch nicht jeder Traum rein psychoanalytisch gedeutet werden ...

Nochmals vielen Dank fürs Entdecken dieses Textes !!!

Liebe Grüße, Morgensonne.
 
Hört, was ich da gefunden hab: 's Zeisele, und schön gesungen auch noch!



Dazu aus einem Kommentar: ...des lied hat übrigen´s josef pöll geschrieben, die sängervereinigung wolkensteiner hat dieses lied unter seiner leitung ende der 20er jahre uraufgeführt!!!
 
.. .weils grad thematisch zum "traditionellen Vogelfangen im Salzkammergut" paßt:

Wißt ihr, dass der oberösterreichische Naturschutz Jahrelang versucht hat, dieses Problem in den Griff zu bekommen und ein Verbot zu erwirken?

Wißt ihr, dass die UNESCO 2010 den Vogelfang des Salzkammergutes (wegen des von Generation zu Generation weitergegebenen Wissens) im Jahre zum Weltkulturerbe erklärt hat?

Wer diese lokale Tradition nicht kennt: https://www.sn.at/wiki/Vogelfang_im_oberösterreichischen_Salzkammergut

Liebe Grüße
Norbert
 
Das ganze Projekt "Immaterielles UNESCO-Kulturerbe" sollte nach meiner Einschätzung umgehend auf den Stand "0" zurückgesetzt werden und mit einer vielleicht ansatzweise neutralen, ausnahmsweise nicht beeinflussbaren und internationalen Besetzung neu versucht werden - in der vorliegenden Form ist das ganze nur eine enorme Peinlichkeit.

Wolfgang (SAGEN.at)
 
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