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reime und sprüche

Noch a Nonsens:
Geht eine Hand auf der Landstraße, liegt im Straßengraben ein Auge. Hand zu Auge: Gell, da schaust!
far.a
 
Weil wir gerade bei den lustigen Sprüchen sind.
Eigene Verfassung in unserer Jugend.

Auf der Strasse nach Kawasser
liegt ein Negerarsch im Wasser
und der Neger den er g`kert ( gehört, auf Kärntnerisch)
liegt im Trassengrab`n und blärt. (weint, auch kärntnerisch)

Bitte keine Proteste wegen dem Wort Neger, für mich ist das KEIN Schimpfwort.
 
Dieses Forum ist schon vor längerer Zeit eingeschlafen, aber vielleicht kann man es wiedererwecken.
Meine Tochter ist in Aachen aufgewachsen. Dort lernte ich von ihr einen Abzählreim, den ich zuerst höchst absonderlich fand:

"Kaiser von Rom,
Napoleon sein Sohn,
er war noch zu klein,
um Kaiser zu sein.
Er stieg auf die Leiter,
immer immer weiter,
eins, zwei, drei ... zehn."

Nun muß man wissen, daß Aachen zwanzig Jahre zu Frankreich gehörte, von 1794 bis 1814. Es tat der Stadt nur gut (Napoleon hat Aachen sehr geschätzt und gefördert), aber beliebt ist eine Besatzungsmacht nie. Auf diese Zeit wird der Vers zurückgehen. Mit "Kaiser von Rom" kann Napoleons 1811 geborenes Söhnchen gemeint sein, das ja sofort zum "König von Rom" ernannt wurde.

In meiner Kinderzeit kannte man ein Liedchen, das mit Sicherheit weit verbreitet war - auch in Österreich?

Zwei Chinesen mit dem Kontrabaß
saßen auf der Straße und erzählten sich was.
Kam die Polizei: Ja, was ist denn das?
Drei Chinesen mit dem Kontrabaß.

Die zweite Strophe hieß:
Dra Chanasan mat dam Kantrabaß ...
Die dritte:
Dre Chenesen met dem Kentrebeß ...
Sehr schwierig!

Wir wußten allerdings nicht, was ein Kontrabaß ist. Deshalb hieß das in meiner Kindheit gleich nach dem Krieg im geteilten Deutschland:
Drei Chinesen mit dem Interzonenpaß
saßen auf der Straße ...

Was ein Interzonenpaß war - ein schwer zu erlangendes Erlaubnispapier, daß zur Einreise in eine andere Besatzungszone berechtigte -, wußte jedes Kind.
 
Ja, die Kontrabaß-Geschichte ist auch in Österreich bekannt !

Es passt vielleicht nicht recht da her, aber ich bin gestern auf ein wunderbares Gedicht von Joachim Ringelnatz gestoßen:

In Hamburg lebten zwei Ameisen,
Die wollten nach Australien reisen.
Bei Altona auf der Chaussee
Da taten ihnen die Beine weh,
Und so verzichteten sie weise
Dann auf den letzten Teil der Reise.
 
Ich mach mal weiter mit den Versen aus Kindertagen.
Tagelang hab ich mir vergeblich den Kopf zerbrochen. Als mir dann so eine Berliner Redewendung einfiel (die hier gar nicht hinpaßt, weil sie nichts mit Kindheit zu tun hat), war plötzlich eine ganze Menge wieder da: Ich hatte das halt alles im Berliner Dialekt gelernt. (Meine ersten zwölf Jahre hab ich da verlebt.)

Also:
1. Wenn jemand was ziemlich Bescheuertes gesagt oder getan hatte, kommentierte man das:
Doof bleibt doof, da helfen keene Pillen, da hilft die janze Apotheke nischt.

2. Eine Variante des bekannten Schlafliedes:
Schlaf, Kindchen, schlaf,
deine Mutter ist ein Schaf,
dein Vater ist ein Trampeltier,
was kann das arme Kind dafür?
Schlaf, Kindchen, schlaf.


3. Erstaunlich (?) viele Verse und Liedchen waren Parodien. So auch dieses:
O Tannenbaum, o Tannenbaum,“
der Lehrer hat mir blau jehaun.
Nu muss er in der Ecke stehn,
wir wischen Tafel janz alleen.

Der Originaltext ist wohl bekannt. Und die Parodie muß schon zu meiner Zeit ein gewisses Alter gehabt haben, denn "blau gehauen" wurde man schon längst nicht mehr. Damals herrschte noch so gründlicher Frontalunterricht in der Schule, daß ein Schüler höchstens mal an die Tafel beordert wurde, um etwas anzuschreiben - das Abwischen war Sache des Lehrers. Daher war das von den Schülern "ganz allein" besorgte Tafelwischen eine Art "Verkehrte Welt".

4. Diese Verse sind, denke ich, sehr weit verbreitet gewesen:
Meine Oma fährt im Hühnerstall Motorrad, Motorrad, Motorrad,
meine Oma fährt im Hühnerstell Motorrad, meine Oma is ne janz patente Frau, wau, wau.
Meine Oma hat‘n Backenzahn mit Radio ...
Meine Oma hat‘n Nachttopp mit Beleuchtung ...
Meine Oma hat Klosettpapier mit Blümchen ...

Ja, heute ist es schwer, noch Klosettpapier ohne Blümchen zu finden. Und das Klosett hat inzwischen ja auch einen eleganteren Namen.

5. Dieser Vers hätte unseren Eltern gewiß nicht zugesagt, wenn sie ihn gehört hätten:
Da oben uff‘m Berge, da steht een Jerüst,
da werden die Weiber elektrisch jeküßt.


6. Mit Sicherheit weit verbreitet war dieses Lied - ich habe es auch ab 1951 noch in Süddeutschland gehört:
Ein Hund lief in die Küche und stahl dem Koch ein Ei,
da nahm der Koch den Löffel und schlug den Hund zu Brei.
Die Hunde kamen alle, es kamen groß und klein,
sie schrieben diesen Denkspruch auf seinem Grabstein ein:
Ein Hund lief in die Küche ...
ad infinitum

7. Ein Lied, von dem es gewissermaßen eine weltliche und eine geistliche Version gab:
Meene Mutter
schmiert die Butter
immer an de Wand lang,
immer an de Wand lang ...

Da wir evangelisch waren, kannten wir auch eine Variante über unseren einzigen Heiligen:
Martin Luther
schmiert die Butter
immer an de Wand lang ...

"Immer an der Wand lang ..." (die Erwachsenenversion) war ein typischer Gassenhauer, sowas zum Rumbrüllen, im Suff oder auch nüchtern; ursprünglich ein Schlager von Walter Kollo. Der Satz "Immer an der Wand lang" ist heute in Berlin noch populär genug, um als Zitat, als Zeitungsschlagzeile etc. zu dienen. Nach dem Bau der Mauer zitierte man ihn mit dem gleichen ironischem Grinsen, mit dem auch die unzähligen regimekritischen Witze erzählt wurden.

So, jetzt geh ich erstmal schlafen. Fortsetzung morgen.
 
Zuletzt bearbeitet:
Haha super da ist einiges dabei das ich auch kenne. Und eingefallen ist mir dabei auch was aus der Hauptschulzeit, aber das ist nicht jugendfrei. *rotwerd*
 
Haha super da ist einiges dabei das ich auch kenne. Und eingefallen ist mir dabei auch was aus der Hauptschulzeit, aber das ist nicht jugendfrei. *rotwerd*
Könnte es das gewesen sein? :D

Sie zogen aus mit bunten Wimpeln
und kehrten heim mit wunden Pimpeln
 
nein, viel schlimmer....

von den blauen bergen kommen wir (kommen wir )
und des.... hängt uns owe bis zum knia, (bis zum knia)
und wir ......
in den..... der damen....
von den blauen beeeergen kommen wir...
 
Dra Kanasn mat dan Kantrabass
satzen af da Strassa and azahlan sach was,
da kam an Palazast and fragt WAS AST DANN DAS!
Dra Kanasn mat dam Kantrabass....

Dro Konosn mot dom Kontroboss
sotzn of do Strossn ond orzohlon soch sows,
do kommt o Polozost ond frogtWOS OST DONN DOS
Dro Konosn mot dom Kontroboss...
 
Ach, was waren wir für reine, keusche, unschuldige Geschöpfe! Denn das Lied von den blauen Bergen hatte bei uns eine ganz harmlose Fassung:
"Von den blauen Bergen kommen wir,
unser Lehrer ist genauso doof wie wir,
mit der Brille auf der Nase
sieht er aus wie'n Osterhase.
Von den blauen Bergen kommen wir."

Apropos Osterhase: Ängstlichkeit unserer Spielkamerad(inn)en verspotteten wir mit dem Spruch: "Angsthase, Pfeffernase, morgen kommt der Osterhase!"
 
ich schäme mich auch ein bisschen. zu meiner verteidigung kann ich nur sagen, dass es diesmal NICHT ICH erfunden habe, sondern die jungs in der klasse haben das gesungen....
 
Schämen unnötig - das sind ja alles solche Dichtungen, deren Schöpfer nie jemand herausfinden wird und für die man daher das schöne Wort "Volksmund" erfunden hat.
 
So, ich stelle mal die Fortsetzung meiner Volkslyrik-Sammlung aus Kindertagen ein:

8. Jetzt wird‘s vaterländisch - auch wenn unsere Kindervariante davon nichts mehr übrig gelassen hat:
Ick hab mir überjeben
von hier bis anne Wand,
die Mutter steht daneben
mit‘m Nachttopp inne Hand.

Die Urfassung lautet: "Ich hab mich ergeben / mit Herz und mit Hand / dir, Land voll Lieb und Leben, / mein deutsches Vaterland." Wir haben das vor 1945 im Kindergarten beim allmorgendlichen Appell unter der Hakenkreuzfahne gesungen. Mit Verwunderung lese ich jetzt im Internet, daß das Lied viel älter ist: Es wurde um 1820 gedichtet.

9. Hiervon gab es, soweit ich mich erinnere, nur diese eine Zeile:
Die Fahne hoch und dabei fest jesoffen ...
Das war das sog. Horst-Wessel-Lied (1928/29): "Die Fahne hoch, die Reihen dicht geschlossen, SA marschiert mit ruhig festem Schritt ..." Auch das lernten wir im Kindergarten. Eine Zeile daraus hat mich auch nach 1945 noch jahrelang beschäftigt: "Kam'raden, die Rotfront und Reaktion erschossen, marschiern im Geist in unsern Reihen mit": Wie machen Erschossene das, daß sie "im Geist in unsern Reihen mit" marschieren? Als Tote haben sie doch keinen "Geist" mehr?!

10. Hier ist die Aussage des Urtextes kurz und bündig ins Gegenteil verkehrt:
Märkische Heide, Märkischer Sand,
haste daran Freude, haste keen Verstand.

Der "offizielle" Text hieß: "Märkische Heide, märkischer Sand / sind des Märkers Freude, sind sein Heimatland. / Steige hoch, du roter Adler, hoch über Sumpf und Sand, / hoch über dunkle Kiefernwälder! Heil dir, mein Brandenburgerland!"
Auch das sangen wir im Kindergarten unter der Fahne. Es war so eine Art Nationalhymne der Mark Brandenburg (für Österreicher: das Land um Berlin drumrum), die einen roten Adler im Wappen führte. Lt. Internet wurde der Text 1923 von einem gewissen Gustav Büchsenschütz gedichtet.

11. Und nun wieder weg von der Politik:
Hinaus in die Ferne
mit Butterbrot und Speck,
det eß ick ja so jerne,
det nimmt ma keena weg,
und wer det tut,
den hau ick uff‘n Hut,
den hau ick uff de Neese,
det se blut‘.

Ich habe nie eine andere Version dieses Textes gekannt. Aber Googeln bildet ja: Da heißt es: "Hinaus in die Ferne / mit lautem Hörnerklang / die Stimmen erhebet / zum männlichen Gesang ... Text und Musik: Albert Methfessel, um 1813, zuerst mit der Melodie des Dichters in der ,Zeitung für die elegante Welt', Leipzig 1814." (Irgendwie hab ich mir unter "Eleganter Welt" immer was anderes vorgestellt.)

12. Von meiner Oma habe ich diesen Pseudo-Bibelvers gelernt:
Jesus sprach: So ihr keinen Löffel habet, so nehmet die Finger.
Meine Oma stammte aus einem Dorf im katholischen Rheinland, doch ihre Familie gehörte zur evangelischen Minderheit. Katholische und evangelische Kinder beschimpften einander auf der Straße, und Erwachsene erzählten allerlei Anekdoten, die die jeweils andern verspotteten. In dieses Umfeld gehört so ein Satz - wahrscheinlich haben ihn beide Konfessionen gebraucht, um sich über die Gläubigkeit der anderen lustig zu machen.

13. Sozusagen ein Sprichwort war die Schlagervariante geworden:
In einer kleinen Konditorei,
da saßen wir zwei
und fraßen für drei.

Da der Schlager das Werk zweier Österreicher war (1929, Text: Ernst Neubach, Melodie: Fred Raymond), nehme ich an, daß die Verbalhornung in Österreich erst recht populär war. Der Urtext: "In einer kleinen Konditorei, / da saßen wir zwei / bei Kuchen und Tee. / Du sprachst kein Wort, / kein einziges Wort, / und wußtest sofort, / daß ich dich versteh. / Und das elektrische Klavier, das klimpert leise / eine Weise von Liebesleid und Weh ..." Ja, der sogenannte Volksmund hat's nicht so mit Liebesleid und Weh, genauso wenig wie er's mit dem vaterländischen Pathos hatte - er ist da schon handfester.

14. Die westdeutschen Schlager kannte man bei uns im Osten genauso, und die westdeutschen Produkte ebenfalls. Die Mauer stand ja noch nicht, und wir fuhren ab und zu zwei S-Bahn-Stationen weit nach Berlin-Wannsee, um für unglaublich viel Geld (der Wechselkurs!) einiges zu kaufen, was es bei uns nicht gab:
Ei, ei, ei, Sanella,
Sanella auf dem Teller,
wenn Sanella ranzig wird,
dann kommt sie in den Keller.
Kaum ist die Kellertüre zu,
hat Sanella keine Ruh,
denn die Mäuse beißen zu.

Dem Text lag der Schlager zugrunde: "Ay, ay, ay, Maria, / Maria aus Bahia ..." (1948)

15. Jetzt kommen wir in die 50er Jahre:
Steig in das Schaumbad von Fewa.
wasch dir die Füße mit Rei,
putz dir die Zähne mit Ata,
dann bist du wieder wie neu.

Das war eine Persiflierung von "Steig in das Traumboot der Liebe, fahre mit mir nach Hawaii ...", gesungen von Caterina Valente, Mitte der 50er Jahre - der Zeit, als die Waschmittel-Werbung allgegenwärtig war (und jedes Mittel wusch noch weißer!). Fewa heißt heute in Deutschland Perwoll, in Österreich aber immer noch Fewa; auch Rei und Ata gibt es noch.

16. Zum Schluß noch ein Spruch, den ich nicht aus meiner Kindheit kenne, sondern später von einem Freund aus Köln hörte - der Stadt, in der die im Vers genannte Firma ihren Sitz hat:
Wenn Opa in das Kissen beißt, nimm Klosterfrau Melissengeist.
Er zitierte ihn als in seiner Kindheit (späte 50er Jahre) üblichen Spottvers.

Besonders die satirischen Umdichtungen beeindrucken mich - jetzt, da sie mir wieder eingefallen sind. Kennt jemand weiteres dieser Art?
 
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