Eisblume
Member
Guten Abend!
Hier kommt mein angekündigter Text über volksmagische Wettervorstellungen.
Viel Vergnügen!
Von Windsbräuten, Donnerrosen und Wetterzaubern
Teil 1
In unseren Volkssagen treten uns einige recht interessante, weibliche Wetterdämonen entgegen.
Die Windsbraut
Früher glaubte man, dass in plötzlich entstehenden, kleinen Wirbelwinden, die das Heu in die Höhe wirbelten, eine junge, nackte Frau mitflog, die Windsbraut. Sicher ist da nicht von heimischen Tornados die Rede, sondern von Windhosen, die den Menschen durch ihr unvermitteltes Auftreten und das in die Luft reißen von Heu etc. unheimlich waren. Zuweilen warf ein Mann ein sogenanntes "Drudenmesser" (auch Neun-Monde-Messer) in den Luftwirbel, um den Winddämon zu treffen. Manchmal fiel das Messer blutverschmiert auf den Boden zurück, manchmal blieb es oben - beide Optionen reichlich unheimlich.
Solche Drudenmesser, die es sogar heute noch zu kaufen gibt (Internet!), sind mit neun Halbmonden und neun Kreuzen verziert. Zuweilen sind die Griffe schwarz (magisch abwehrende Farbe) und die Klingen halbmondförmig gebogen. In Zeiten der zunehmenden Christianisierung kamen manchmal noch christliche Formeln wie INRI als Gravur dazu.
Die Windsbraut wird oft mit der Drud gleichgesetzt, wie aus dem Namen Drudenmesser schon hervorgeht. Ihrer Herkunft nach ist sie ein Wetterdämon der germanischen Mythologie. Eng mit ihr verwandt, manchmal auch ident, ist die
Wetterhexe
Wetterhexen wurden von ihren Zeitgenossen des Wetterzaubers beschuldigt, insbesondere der magischen Herbeiführung von Unwettern mit Hagel. Meist war das Wettermachen nur ein Teil des üblichen Zauberrepertoires einer Hexe, neben Schadzaubern anderer Art. Wie genau es vor sich ging, erkläre ich in einem späteren Kapitel. Dass tatsächlich Frauen des Wettermachens angeklagt und auch hingerichtet wurden, beweisen Fälle wie der Prozess gegen neun Frauen aus Völs und Umgebung (Schlerngebiet) am Gericht zu Völs in den Jahren 1506-1510. Auch aus den Hagelgebieten der Steiermark gibt es zahlreiche Beispiele. Neben den Wettermacherinnen gibt es auch die Wetteranzeigerinnen, zum Beispiel
Das Dachsteinweib
Die Sage berichtet, dass auf dem Dachsteinmassiv ein unheimliches, altes Weib umgeht, runzlig und mit nur einem einzigen Zahn im Mund. Wer die alte Frau erblickt, tut gut daran, schleunigst einen schützenden Unterschlupf aufzusuchen, denn kurz nach dieser dämonischen Begegnung bricht ein heftiges Unwetter los. Es handelt sich beim Dachsteinweib der Sage nach um eine verwunschene, junge Sennerin, die einer Bettlerin die milde Gabe verweigert hatte.
Teil 2
Heute geht es um das spannende Thema: Wie mache ich mir mein Unwetter selbst? Nein, Spaß beiseite, ich berichte nur über die vielfältigen Praktiken, die Hexen und Zauberer früher angeblich angewandt haben, um "Wetter zu machen", und um die ebenso einfallsreichen Versuche der anderen, diese Unwetter abzuwehren. Besonders die Steirer sollten hier aufmerken, denn Teile der Steiermark waren wegen der Häufigkeit des Hagelschlags ein guter Boden für Wettermacher und Wettermacherinnen. Liest man die alten Prozessberichte durch, scheint in früheren Jahrhunderten die steirische Luft voll von auf Besen, Ziegenböcken, in Ofenschüsseln und anderen absonderlichen Fluggeräten von Hexenberg zu Hexenberg durch die Lüfte reitender Wetterhexen und Zauberer gewesen zu sein. Am stärksten von der Hexenverfolgung betroffen waren die Regionen ehemalige Untersteiermark einschließlich Radkersburg, die SO-Steiermark sowie das obere Murtal samt Seitentälern.
Der Wetterzauber
Unsere Sagen berichten vor allem von zwei Techniken, wie Unwetter auf magische Weise "gebraut" wurden: Einerseits durch Umrühren von Wasser in einem Kübel oder Kessel, andererseits durch Werfen von Steinen in besondere Gewässer (meist Seen). Das alles geschah unter dem Murmeln geeigneter Zaubersprüche. Für Experimentierfreudige: Wirft man in den Wildsee auf der Seetaler Alm oder ins Waldteichl bei St. Lambrecht einen Stein, so entsteht laut altem Aberglauben ein Unwetter.
Auch aus Wolle und Haaren wurden Unwetter, besonders Hagel, gezaubert. Fanden sich diese Dinge später zufällig in Hagelschloßen, galt die unnatürliche, zauberische Ursache des Unwetters als erwiesen.
Ganze Gesellschaften von Wettermachern (hier waren neben Frauen auch zahlreiche Männer vertreten) versammelten sich früher an bestimmten Orten, oft Bergen, zum Wettermachen, so zum Beispiel auf dem Stolzalpl. Man glaubte, dass man den Wetterhexer entlarven (sehen) konnte, wenn man sich gleichzeitig mit ihm auf der Stolzalm befand und dabei auf den Zehenspitzen eines Geistlichen stehend durch eine Monstranz schaute.
Ein Zauberer gab im Hexenprozess an, der Teufel habe ihm den Hagel in einer Tasche überreicht. Dann seien sie auf einer Ofenschüssel durch die Luft geflogen und hätten den Hagel abgeworfen. Das war 1682 zu Pfingsten in der Gegend von Krieglach.
Von einem Wettermacher ist aus den Prozessakten sogar wörtlich ein Zauberspruch überliefert:
"Ich beschwöre dich, Beelzebub und Satanas, dass ihr hinauffahrt und schlagt das Wasser hinauf in ein dicke Wolken in die Höh, und macht, dass der kalt Nordwind komme, damit's Eis abgäb und das Eis zu Brocken werd und solches die Wolken auslassen, auch der Wind es von der Höh herab zu den Häusern auf die Felder, Güter und Weingärten... hintreibe..."
Daraus spricht schon einiges an Bosheit und krimineller Energie (falls der den Spruch wirklich in der Absicht, Unwetter zu machen, verwendet hat, und nicht das Geständnis, wie so oft, unter Folter zustande kam).
Von einigen Pflanzen heißt es im Volksglauben, sie zögen den Blitz an, deshalb solle man sie nicht ins Haus nehmen, zum Beispiel die Alpenrose ("Donnerrose") und die Feuerlilie ("Donnerblume", "Donnerrose").
Ich habe mich entschieden, für Pflanzen, die den Blitz abhalten, sowie die vielfältigen Unwetter-Abwehrzauber ein eigenes Kapitel anzulegen.
Teil 3
meiner Wetterg'schichtln. Heute geht es um die Abwehrzauber, also jene Handlungen, die man setzte, um die verheerenden Unwetter der Wetterhexen (auch "Hagelanne" und "Schauerbrüterin" genannt) und Wettermacher ein wenig im Zaum zu halten. Als da wären:
Wetterglocken
Als das wirksamste Instrument gegen den teuflischen Wetterzauber wurde das rechtzeitige Läuten der Wetterglocken ("Wetterläuten") erachtet. Das konnten entweder die Kirchenglocken sein, oder ganz spezielle, geweihte Wetterglocken, die oft sogar in abseits der Kirchen in der Landschaft verteilten Türmen hingen. Solche Wettertürme kann man heute noch nordöstlich von Graz, in Rinnegg, Schaftalberg und Niederschöckel bewundern. Schon Schiller lässt in seinem "Lied von der Glocke" ebendiese sagen: ""Fulguras frango" (die Blitze zerbreche ich). Sogar der Teufel sollte beim Klang der geweihten Glocken seine Macht verlieren.
Drudenmesser
Dass gelegentlich ein Druden- oder Neun-Monde-Messer in Wirbelwinde gegen die Winddämonin geschleudert wurden, habe ich in Teil 1 schon ausführlicher erzählt. Die Kreuze in dem Messer waren übrigens keine christlichen, sondern Malkreuze. Erst später kamen als Einritzungen christliche Buchstabenkombinationen dazu.
Meine besondere Sympathie gehört dem
Schrattlgatterl
auch Drudengatterl genannt. Das war ein aus Holzstäben gefertigtes Gebilde, das man an der Stalltür oder am Hoftor anbrachte, um die Drud und damit auch die von ihr verursachten Unwetter und Albträume (Albdrücken - die Drud drückt den Schlafenden) von Haus und Schlafgemach fern zu halten. Ein Schrattlgatterl kann man sich leicht selbst aus geraden Ästen oder Zweigen basteln (am besten Haselholz): Zwei Stäbe werden in X-Form gelegt, ein Stab wird mittig senkrecht darüber gelegt, und beides wird mit je einem waagrechten Stab oben und unten fixiert. Schaut putzig aus, wenn es so am Fenster hängt, und kein Mensch weiß, was das ein wenig an die Holzgebilde aus "Blair Witch Project" erinnernde "Kunstobjekt" sein soll. Es ist einfach liebenswertes, altes Volksbrauchtum. Im Internet kann man einen Blick in das Buch "Kleines Lexikon der Dämonen und Elementargeister" werfen - dort kann man sogar eine Abbildung eines Schrattlgatters finden.
Wetterschießen
Mit Gewehren wurden geweihte Kugeln in Hagelwolken geschossen, auch versuchte man, Unwetter mit lautem Böllerknall zu vertreiben.
Wetterkerzen
Geweihte Wetterkerzen wurden bei Unwettern entzündet. Ich selbst kann aus meiner Kindheit noch berichten, dass im Oberen Mühlviertel bei schweren Gewittern (und dort kam um die Zeit der Heuernte fast täglich ein solches) die ganze Familie samt Kinderschar sich im zentralen unteren Raum des Bauernhauses versammelte und bei Kerzenlicht betete, während draußen gewaltige Blitze niederkrachten, der Donner die Fensterscheiben erzittern ließ und Feuer aus sämtlichen Steckdosen zuckte.
Blitzabwehrende Pflanzen
Eingen Pflanzen wurde die Kraft zugeschrieben, Unwetter, speziell Blitze, abhalten zu können, wenn man sie auf's Hausdach pflanzte oder ins Haus brachte, allen voran Hauswurz und Bärlapp. Die Sporen des Keulenförmigen Bärlapps (Lycopodium clavatum) wurden als "Blitzpulver" oder "Hexenmehl" bezeichnet. Eine sehr interessante, alte Pflanze, und immer schon mit Zauberei in Verbindung gebracht.
Der wohl kurioseste Brauch zur Abwehr von Unwetter war wohl das
Windelschmeißen
Bauern im Wechselgebiet warfen weiße Windeln vor die Eingangstür, um ein Unwetter zu vertreiben. Man stelle sich nur vor, jemand würde heute den Brauch noch ausüben und vielleicht dem verdutzten Briefträger vor der Haustür beim Aufziehen eines Gewitters einige Pampers entgegenschleudern... ;-)
Taufhemdchen
Ähnlich kurios war der Brauch, "Hexenwetter" aufzuhalten, indem man ein "Chrisamhemdlein" (Taufhemdchen) auf den Zaun hing.
Wettersegen
Wie schon erwähnt, wurde gegen die Unwetter fleißig gebetet. In Stift St. Lambrecht wird noch eine alte Handschrift mit einem geheimnisvollen Wettersegen aufbewahrt: "Contra fulgura et tonitrua" (gegen Blitz und Donnerschlag). Als christliche Wetterpatrone galten der heilige Christophorus, Johann und Paul, Donatus und die Heiligen Drei Könige. Ihre Formel "CMB" am Haus sollte u.a. auch gegen Unwetter schützen.
Windfüttern (Elementeopfer)
Früher stellten sich auch bei uns die Menschen die ganze Natur als beseelt vor: In den Gewässern schwammen die Wassermänner und Nixen, im Wald trieben sich Elfen und Wilde Frauen um, im Gebirge Riesen und Salige, in den Bäumen die Moosweiberl, in den Bergwerken die Zwerge, in den Lüften die Windsbräute usw. Man sah die Naturgewalten als etwas, das es zu besänftigen galt, mit dem man Kontakt aufnehmen konnte. So entstand u.a. der seltsame und doch auch anrührende Brauch des "Windfütterns", den, man munkelt es, ganz alte Leute am Land heute zuweilen noch immer ausüben – heimlich, damit sie von den Enkeln nicht ausgelacht werden. ;-) Sie streuen Mehl in den Wind, um ihn zu besänftigen und Stürme fern zu halten. Wer mehr darüber lesen möchte, gebe in die Google-Suche "Elementeopfer in Oberösterreich" ein. Schon der erste Link des OÖ Landesmuseums ist ein Volltreffer!
Nachdem ich in Teil 1 nur weibliche Wettergeister vorgestellt habe, sind in
Teil 4
die männlichen Wettermachos mit den Rauschebärten dran, die uns zeigen, wo der Hammer hängt. ;-)
Interessant sind die interkulturellen Parallelen: Viele Wettergötter sind eng mit der Eiche verbunden und haben als Attribut eine Doppelaxt oder einen Doppelhammer. Kein Wunder, dass die Eiche mit den Wettergöttern assoziiert wird: Laut Internetseite des Landes Steiermark werden im geschlossenen Wald wegen ihres hohen Feuchtigkeitsgehalts tatsächlich Eichen etwa 60mal eher vom Blitz getroffen als Buchen! Bezüglich Doppelaxt und Doppelhammer betrifft die Gemeinsamkeit sogar zwei örtlich und kulturkreismäßig so immens weit voneinander entfernte Blitzgötter wie Thor (Nordeuropa) und Shango (Westafrika).
Wilde Jagd
Die Wilde Jagd ist ein Totenheer, das unter lautem Johlen, Rasseln, Hundegebell usw. vor allem während der Rauhnächte durch die Lüfte zieht. Männer, Frauen und Kinder nehmen an dem dämonischen Ritt teil. Manchmal werden auch Frau Holle bzw. die Percht als Teilnehmerinnen genannt, und der oberste Gott der Germanen,
Odin (Wotan),
als deren Anführer.
Mit dem Wetter hat die Wilde Jagd insofern zu tun, als sie wie ein wütender Sturm über den erschrockenen, nächtlichen Wanderer hinwegbraust. Unsere Sagen berichten, dass manche, die sich richtig verhielten, mit dem Schrecken davon kamen, andere jedoch, die sich arrogant gebärdeten, vom Wilden Heer streng bestraft wurden. Als Entstehungsursprung des Glaubens an die Wilde Jagd gilt die Angst der Menschen vor nächtlichen Winterstürmen.
Im Gebiet des Untersbergs im Salzburgischen gibt es heute noch einen Brauch, der sich das "Wilde Gjoad", die Wilde Jagd, nennt. In diesem Vor-Rauhnachtsbrauch gehen illustre Gestalten mit wie zum Beispiel die Habergoaß, die Baumpercht, das Moosweiberl, der Hahnengickerl und der Saurüssel. ;-)
Thor (Donar, "der Donnerer"):
Thor ist der eigentliche Gewitter- und Wettergott der Germanen. Sein Attribut ist der Doppelhammer (war u.a. ein Fruchtbarkeitssymbol und wurde als solches gerne von Frauen getragen). Er steht mit der Eiche in enger Verbindung. In der Hamburgischen Kirchengeschichte heißt es:
"Thor hat den Vorsitz in der Luft, er lenkt Donner und Blitz, gibt Wind und Regen, heiteres Wetter und Fruchtbarkeit."
Taranis
ist der keltische Himmelsgott, der "Donnerer". Zu seinem Attribut, dem Rad, gibt es u.a. eine sehr kühne Deutung als Kugelblitz (!). Dies scheint mir aber denn doch etwas sehr weit hergeholt zu sein. Vielleicht war der Keltenforscher, der diese Deutung aufbrachte, nebenberuflich ein begeisterter Gewitterjäger (ein früher "Stormchaser", wenn man so will). ;-)
Jupiter:
Jupiter, der oberste Gott der Römer, ist als alter Himmels- und Wettergott (Lichtbringer), wie sollte es anders sein, eng mit der Eiche verbunden. Jupiter Tonans bedeutet "der Donnerer", Jupiter Fulgur " „Jupiter Blitz". Dem römischen Jupiter entspricht
Zeus,
der oberste Gott der Griechen. Sein heiliger Baum ist, wenig überraschend – die Eiche. Im Eichenorakel von Dodona gab der Gott des Wetters und des Blitzes Auskunft. Es gibt noch einen speziellen, griechischen Windgott, nämlich
Aiolos
Gatte der Eos, der Göttin der Morgenröte.
Petrus (Christentum)
Als Träger der Schlüssel zum Himmelreich und also Herrscher über den Himmel wird Petrus im Volksglauben für das Wetter, insbesondere das Regenwetter, verantwortlich gemacht.
Teil 5
Kleiner Abstecher nach Afrika.
Oya (oder auch Yansa) entstammt einer Religion, die in vielseitigsten Ausprägungen und Richtungen von den staubigen, sonnenverbrannten Dorfplätzen Benins und Nigerias kommt, die der aus Lehm geformte Legba (Herr der Wegkreuzungen, Schützer der Häuser, Mittler zu allen anderen Gottheiten) bewacht, aus den dampfenden, geheimnisvollen, dämmerschattigen Wäldern des Kongo mit ihren Wurzeln, Spinnen, Schlangen und Geistern, aus den lauten, lebendigen, bunten Dörfern und Städten Haitis, Kubas und Brasiliens, aus den krokodilsäugigen, bluesgeschwängerten Bayous im Süden der Staaten... - diese Religionen fasst man gewöhnlich mit dem Oberbegriff "Voodoo" (auch Vodu oder Vodun) zusammen.
Oya (Yansa) ist in der Yoruba-Religion die Orisha (Gottheit) der Winde, der Stürme und des Blitzes. Auch beherrscht sie die Marktplätze und wacht an den Friedhofspforten. Diese starke, wilde Göttin, eine Kriegerin, steht ganz allgemein für plötzliche, unerwartete, manchmal drastische Veränderungen im Leben. Ihr Gefährte ist Shango, ebenfalls ein Gott der Blitze, der Stürme, im haitianischen Voodoo als Wetter- und Donnergottheit verehrt. Ein wahres "Power-Pärchen", diese beiden! Gert Chesi berichtet uns in seinem Buch "Voodoo in Afrika", die Menschen dort glauben zuweilen, dass Shango selbst durch die Kleinigkeit eines Blitzes aus einem Fotoapparat auf den Plan gerufen werden kann.
Eine weitere, wichtige Voodoo-Gottheit, die mit Blitzen zu tun hat, ist Damballah, der als Schlange dargestellt wird - eine uralte Gottheit der Schöpfung und der kosmischen Energie. Man sagt, als er seine Blitze auf die Erde schleuderte, entstanden an diesen Stellen die "Donnersteine" (dabei handelt es sich um Tektit!). Damballahs Gefährtin ist Ayida Wedo, die "Regenbogenschlange".
Im haitianischen Götterhimmel werden nicht weniger als sechs Dämonen des Sturms gezählt, darunter Agawu, der Stürme und Erdbeben auszulösen vermag, und Guéde-loraye, die als kleingewachsene Frau beschrieben wird, die sich während der Stürme zeigt. Sogbo, der Loa des Blitzes, tritt zusammen auf mit Badè, dem Loa des Windes; gesellt sich Ague, der Herr des Meeres dazu, ist das Unwetter perfekt.
So weit ein kleiner Ausflug in die Gefilde des Voodoo. Für österreichische Verhältnisse weiß ich sicher eine ganze Menge über diese Religionen, und dennoch habe ich bei der verwirrenden Vielzahl an religiösen Richtungen und Gottheiten das Gefühl, ich hab nur an einem ganz kleinen Zipfel eines riesigen Geheimnisses ein wenig gekratzt. Wer Fragen dazu hat, frage mich trotzdem jederzeit! Gerne rücke ich das furchtbare Bild des Voodoo, das viele Österreicher aus amerikanischen Horrorfilmen gewonnen haben, ein wenig zurecht. Viele dieser Filme darf man mit Recht als rassistisch bezeichnen, wie auch eine große Zahl an Indianerfilmen. Voodooanhänger sind in der Mehrzahl keine düsteren Figuren, die den ganzen Tag Schadzauber wirken, Zombies herstellen, Hühner abkrageln und unter Verwünschungen Nadeln in Puppen stechen.
Unterhaltsam war, so hoffe ich nun, mein kleiner Ausflug in die Vergangenheit, zu Sagengestalten und Wettergöttern, zu volksmagischen Wetterbräuchen und gar nicht soooo schrecklichen Wettergeistern aus einer uralten Religion, die sich in vielen Ausformungen über die halbe Welt verbreitet hat.
Danke für's Lesen!
Hier kommt mein angekündigter Text über volksmagische Wettervorstellungen.
Viel Vergnügen!

Von Windsbräuten, Donnerrosen und Wetterzaubern
Teil 1
In unseren Volkssagen treten uns einige recht interessante, weibliche Wetterdämonen entgegen.
Die Windsbraut
Früher glaubte man, dass in plötzlich entstehenden, kleinen Wirbelwinden, die das Heu in die Höhe wirbelten, eine junge, nackte Frau mitflog, die Windsbraut. Sicher ist da nicht von heimischen Tornados die Rede, sondern von Windhosen, die den Menschen durch ihr unvermitteltes Auftreten und das in die Luft reißen von Heu etc. unheimlich waren. Zuweilen warf ein Mann ein sogenanntes "Drudenmesser" (auch Neun-Monde-Messer) in den Luftwirbel, um den Winddämon zu treffen. Manchmal fiel das Messer blutverschmiert auf den Boden zurück, manchmal blieb es oben - beide Optionen reichlich unheimlich.
Solche Drudenmesser, die es sogar heute noch zu kaufen gibt (Internet!), sind mit neun Halbmonden und neun Kreuzen verziert. Zuweilen sind die Griffe schwarz (magisch abwehrende Farbe) und die Klingen halbmondförmig gebogen. In Zeiten der zunehmenden Christianisierung kamen manchmal noch christliche Formeln wie INRI als Gravur dazu.
Die Windsbraut wird oft mit der Drud gleichgesetzt, wie aus dem Namen Drudenmesser schon hervorgeht. Ihrer Herkunft nach ist sie ein Wetterdämon der germanischen Mythologie. Eng mit ihr verwandt, manchmal auch ident, ist die
Wetterhexe
Wetterhexen wurden von ihren Zeitgenossen des Wetterzaubers beschuldigt, insbesondere der magischen Herbeiführung von Unwettern mit Hagel. Meist war das Wettermachen nur ein Teil des üblichen Zauberrepertoires einer Hexe, neben Schadzaubern anderer Art. Wie genau es vor sich ging, erkläre ich in einem späteren Kapitel. Dass tatsächlich Frauen des Wettermachens angeklagt und auch hingerichtet wurden, beweisen Fälle wie der Prozess gegen neun Frauen aus Völs und Umgebung (Schlerngebiet) am Gericht zu Völs in den Jahren 1506-1510. Auch aus den Hagelgebieten der Steiermark gibt es zahlreiche Beispiele. Neben den Wettermacherinnen gibt es auch die Wetteranzeigerinnen, zum Beispiel
Das Dachsteinweib
Die Sage berichtet, dass auf dem Dachsteinmassiv ein unheimliches, altes Weib umgeht, runzlig und mit nur einem einzigen Zahn im Mund. Wer die alte Frau erblickt, tut gut daran, schleunigst einen schützenden Unterschlupf aufzusuchen, denn kurz nach dieser dämonischen Begegnung bricht ein heftiges Unwetter los. Es handelt sich beim Dachsteinweib der Sage nach um eine verwunschene, junge Sennerin, die einer Bettlerin die milde Gabe verweigert hatte.
Teil 2
Heute geht es um das spannende Thema: Wie mache ich mir mein Unwetter selbst? Nein, Spaß beiseite, ich berichte nur über die vielfältigen Praktiken, die Hexen und Zauberer früher angeblich angewandt haben, um "Wetter zu machen", und um die ebenso einfallsreichen Versuche der anderen, diese Unwetter abzuwehren. Besonders die Steirer sollten hier aufmerken, denn Teile der Steiermark waren wegen der Häufigkeit des Hagelschlags ein guter Boden für Wettermacher und Wettermacherinnen. Liest man die alten Prozessberichte durch, scheint in früheren Jahrhunderten die steirische Luft voll von auf Besen, Ziegenböcken, in Ofenschüsseln und anderen absonderlichen Fluggeräten von Hexenberg zu Hexenberg durch die Lüfte reitender Wetterhexen und Zauberer gewesen zu sein. Am stärksten von der Hexenverfolgung betroffen waren die Regionen ehemalige Untersteiermark einschließlich Radkersburg, die SO-Steiermark sowie das obere Murtal samt Seitentälern.
Der Wetterzauber
Unsere Sagen berichten vor allem von zwei Techniken, wie Unwetter auf magische Weise "gebraut" wurden: Einerseits durch Umrühren von Wasser in einem Kübel oder Kessel, andererseits durch Werfen von Steinen in besondere Gewässer (meist Seen). Das alles geschah unter dem Murmeln geeigneter Zaubersprüche. Für Experimentierfreudige: Wirft man in den Wildsee auf der Seetaler Alm oder ins Waldteichl bei St. Lambrecht einen Stein, so entsteht laut altem Aberglauben ein Unwetter.
Auch aus Wolle und Haaren wurden Unwetter, besonders Hagel, gezaubert. Fanden sich diese Dinge später zufällig in Hagelschloßen, galt die unnatürliche, zauberische Ursache des Unwetters als erwiesen.
Ganze Gesellschaften von Wettermachern (hier waren neben Frauen auch zahlreiche Männer vertreten) versammelten sich früher an bestimmten Orten, oft Bergen, zum Wettermachen, so zum Beispiel auf dem Stolzalpl. Man glaubte, dass man den Wetterhexer entlarven (sehen) konnte, wenn man sich gleichzeitig mit ihm auf der Stolzalm befand und dabei auf den Zehenspitzen eines Geistlichen stehend durch eine Monstranz schaute.
Ein Zauberer gab im Hexenprozess an, der Teufel habe ihm den Hagel in einer Tasche überreicht. Dann seien sie auf einer Ofenschüssel durch die Luft geflogen und hätten den Hagel abgeworfen. Das war 1682 zu Pfingsten in der Gegend von Krieglach.
Von einem Wettermacher ist aus den Prozessakten sogar wörtlich ein Zauberspruch überliefert:
"Ich beschwöre dich, Beelzebub und Satanas, dass ihr hinauffahrt und schlagt das Wasser hinauf in ein dicke Wolken in die Höh, und macht, dass der kalt Nordwind komme, damit's Eis abgäb und das Eis zu Brocken werd und solches die Wolken auslassen, auch der Wind es von der Höh herab zu den Häusern auf die Felder, Güter und Weingärten... hintreibe..."
Daraus spricht schon einiges an Bosheit und krimineller Energie (falls der den Spruch wirklich in der Absicht, Unwetter zu machen, verwendet hat, und nicht das Geständnis, wie so oft, unter Folter zustande kam).
Von einigen Pflanzen heißt es im Volksglauben, sie zögen den Blitz an, deshalb solle man sie nicht ins Haus nehmen, zum Beispiel die Alpenrose ("Donnerrose") und die Feuerlilie ("Donnerblume", "Donnerrose").
Ich habe mich entschieden, für Pflanzen, die den Blitz abhalten, sowie die vielfältigen Unwetter-Abwehrzauber ein eigenes Kapitel anzulegen.
Teil 3
meiner Wetterg'schichtln. Heute geht es um die Abwehrzauber, also jene Handlungen, die man setzte, um die verheerenden Unwetter der Wetterhexen (auch "Hagelanne" und "Schauerbrüterin" genannt) und Wettermacher ein wenig im Zaum zu halten. Als da wären:
Wetterglocken
Als das wirksamste Instrument gegen den teuflischen Wetterzauber wurde das rechtzeitige Läuten der Wetterglocken ("Wetterläuten") erachtet. Das konnten entweder die Kirchenglocken sein, oder ganz spezielle, geweihte Wetterglocken, die oft sogar in abseits der Kirchen in der Landschaft verteilten Türmen hingen. Solche Wettertürme kann man heute noch nordöstlich von Graz, in Rinnegg, Schaftalberg und Niederschöckel bewundern. Schon Schiller lässt in seinem "Lied von der Glocke" ebendiese sagen: ""Fulguras frango" (die Blitze zerbreche ich). Sogar der Teufel sollte beim Klang der geweihten Glocken seine Macht verlieren.
Drudenmesser
Dass gelegentlich ein Druden- oder Neun-Monde-Messer in Wirbelwinde gegen die Winddämonin geschleudert wurden, habe ich in Teil 1 schon ausführlicher erzählt. Die Kreuze in dem Messer waren übrigens keine christlichen, sondern Malkreuze. Erst später kamen als Einritzungen christliche Buchstabenkombinationen dazu.
Meine besondere Sympathie gehört dem
Schrattlgatterl
auch Drudengatterl genannt. Das war ein aus Holzstäben gefertigtes Gebilde, das man an der Stalltür oder am Hoftor anbrachte, um die Drud und damit auch die von ihr verursachten Unwetter und Albträume (Albdrücken - die Drud drückt den Schlafenden) von Haus und Schlafgemach fern zu halten. Ein Schrattlgatterl kann man sich leicht selbst aus geraden Ästen oder Zweigen basteln (am besten Haselholz): Zwei Stäbe werden in X-Form gelegt, ein Stab wird mittig senkrecht darüber gelegt, und beides wird mit je einem waagrechten Stab oben und unten fixiert. Schaut putzig aus, wenn es so am Fenster hängt, und kein Mensch weiß, was das ein wenig an die Holzgebilde aus "Blair Witch Project" erinnernde "Kunstobjekt" sein soll. Es ist einfach liebenswertes, altes Volksbrauchtum. Im Internet kann man einen Blick in das Buch "Kleines Lexikon der Dämonen und Elementargeister" werfen - dort kann man sogar eine Abbildung eines Schrattlgatters finden.
Wetterschießen
Mit Gewehren wurden geweihte Kugeln in Hagelwolken geschossen, auch versuchte man, Unwetter mit lautem Böllerknall zu vertreiben.
Wetterkerzen
Geweihte Wetterkerzen wurden bei Unwettern entzündet. Ich selbst kann aus meiner Kindheit noch berichten, dass im Oberen Mühlviertel bei schweren Gewittern (und dort kam um die Zeit der Heuernte fast täglich ein solches) die ganze Familie samt Kinderschar sich im zentralen unteren Raum des Bauernhauses versammelte und bei Kerzenlicht betete, während draußen gewaltige Blitze niederkrachten, der Donner die Fensterscheiben erzittern ließ und Feuer aus sämtlichen Steckdosen zuckte.
Blitzabwehrende Pflanzen
Eingen Pflanzen wurde die Kraft zugeschrieben, Unwetter, speziell Blitze, abhalten zu können, wenn man sie auf's Hausdach pflanzte oder ins Haus brachte, allen voran Hauswurz und Bärlapp. Die Sporen des Keulenförmigen Bärlapps (Lycopodium clavatum) wurden als "Blitzpulver" oder "Hexenmehl" bezeichnet. Eine sehr interessante, alte Pflanze, und immer schon mit Zauberei in Verbindung gebracht.
Der wohl kurioseste Brauch zur Abwehr von Unwetter war wohl das
Windelschmeißen
Bauern im Wechselgebiet warfen weiße Windeln vor die Eingangstür, um ein Unwetter zu vertreiben. Man stelle sich nur vor, jemand würde heute den Brauch noch ausüben und vielleicht dem verdutzten Briefträger vor der Haustür beim Aufziehen eines Gewitters einige Pampers entgegenschleudern... ;-)
Taufhemdchen
Ähnlich kurios war der Brauch, "Hexenwetter" aufzuhalten, indem man ein "Chrisamhemdlein" (Taufhemdchen) auf den Zaun hing.
Wettersegen
Wie schon erwähnt, wurde gegen die Unwetter fleißig gebetet. In Stift St. Lambrecht wird noch eine alte Handschrift mit einem geheimnisvollen Wettersegen aufbewahrt: "Contra fulgura et tonitrua" (gegen Blitz und Donnerschlag). Als christliche Wetterpatrone galten der heilige Christophorus, Johann und Paul, Donatus und die Heiligen Drei Könige. Ihre Formel "CMB" am Haus sollte u.a. auch gegen Unwetter schützen.
Windfüttern (Elementeopfer)
Früher stellten sich auch bei uns die Menschen die ganze Natur als beseelt vor: In den Gewässern schwammen die Wassermänner und Nixen, im Wald trieben sich Elfen und Wilde Frauen um, im Gebirge Riesen und Salige, in den Bäumen die Moosweiberl, in den Bergwerken die Zwerge, in den Lüften die Windsbräute usw. Man sah die Naturgewalten als etwas, das es zu besänftigen galt, mit dem man Kontakt aufnehmen konnte. So entstand u.a. der seltsame und doch auch anrührende Brauch des "Windfütterns", den, man munkelt es, ganz alte Leute am Land heute zuweilen noch immer ausüben – heimlich, damit sie von den Enkeln nicht ausgelacht werden. ;-) Sie streuen Mehl in den Wind, um ihn zu besänftigen und Stürme fern zu halten. Wer mehr darüber lesen möchte, gebe in die Google-Suche "Elementeopfer in Oberösterreich" ein. Schon der erste Link des OÖ Landesmuseums ist ein Volltreffer!
Nachdem ich in Teil 1 nur weibliche Wettergeister vorgestellt habe, sind in
Teil 4
die männlichen Wettermachos mit den Rauschebärten dran, die uns zeigen, wo der Hammer hängt. ;-)
Interessant sind die interkulturellen Parallelen: Viele Wettergötter sind eng mit der Eiche verbunden und haben als Attribut eine Doppelaxt oder einen Doppelhammer. Kein Wunder, dass die Eiche mit den Wettergöttern assoziiert wird: Laut Internetseite des Landes Steiermark werden im geschlossenen Wald wegen ihres hohen Feuchtigkeitsgehalts tatsächlich Eichen etwa 60mal eher vom Blitz getroffen als Buchen! Bezüglich Doppelaxt und Doppelhammer betrifft die Gemeinsamkeit sogar zwei örtlich und kulturkreismäßig so immens weit voneinander entfernte Blitzgötter wie Thor (Nordeuropa) und Shango (Westafrika).
Wilde Jagd
Die Wilde Jagd ist ein Totenheer, das unter lautem Johlen, Rasseln, Hundegebell usw. vor allem während der Rauhnächte durch die Lüfte zieht. Männer, Frauen und Kinder nehmen an dem dämonischen Ritt teil. Manchmal werden auch Frau Holle bzw. die Percht als Teilnehmerinnen genannt, und der oberste Gott der Germanen,
Odin (Wotan),
als deren Anführer.
Mit dem Wetter hat die Wilde Jagd insofern zu tun, als sie wie ein wütender Sturm über den erschrockenen, nächtlichen Wanderer hinwegbraust. Unsere Sagen berichten, dass manche, die sich richtig verhielten, mit dem Schrecken davon kamen, andere jedoch, die sich arrogant gebärdeten, vom Wilden Heer streng bestraft wurden. Als Entstehungsursprung des Glaubens an die Wilde Jagd gilt die Angst der Menschen vor nächtlichen Winterstürmen.
Im Gebiet des Untersbergs im Salzburgischen gibt es heute noch einen Brauch, der sich das "Wilde Gjoad", die Wilde Jagd, nennt. In diesem Vor-Rauhnachtsbrauch gehen illustre Gestalten mit wie zum Beispiel die Habergoaß, die Baumpercht, das Moosweiberl, der Hahnengickerl und der Saurüssel. ;-)
Thor (Donar, "der Donnerer"):
Thor ist der eigentliche Gewitter- und Wettergott der Germanen. Sein Attribut ist der Doppelhammer (war u.a. ein Fruchtbarkeitssymbol und wurde als solches gerne von Frauen getragen). Er steht mit der Eiche in enger Verbindung. In der Hamburgischen Kirchengeschichte heißt es:
"Thor hat den Vorsitz in der Luft, er lenkt Donner und Blitz, gibt Wind und Regen, heiteres Wetter und Fruchtbarkeit."
Taranis
ist der keltische Himmelsgott, der "Donnerer". Zu seinem Attribut, dem Rad, gibt es u.a. eine sehr kühne Deutung als Kugelblitz (!). Dies scheint mir aber denn doch etwas sehr weit hergeholt zu sein. Vielleicht war der Keltenforscher, der diese Deutung aufbrachte, nebenberuflich ein begeisterter Gewitterjäger (ein früher "Stormchaser", wenn man so will). ;-)
Jupiter:
Jupiter, der oberste Gott der Römer, ist als alter Himmels- und Wettergott (Lichtbringer), wie sollte es anders sein, eng mit der Eiche verbunden. Jupiter Tonans bedeutet "der Donnerer", Jupiter Fulgur " „Jupiter Blitz". Dem römischen Jupiter entspricht
Zeus,
der oberste Gott der Griechen. Sein heiliger Baum ist, wenig überraschend – die Eiche. Im Eichenorakel von Dodona gab der Gott des Wetters und des Blitzes Auskunft. Es gibt noch einen speziellen, griechischen Windgott, nämlich
Aiolos
Gatte der Eos, der Göttin der Morgenröte.
Petrus (Christentum)
Als Träger der Schlüssel zum Himmelreich und also Herrscher über den Himmel wird Petrus im Volksglauben für das Wetter, insbesondere das Regenwetter, verantwortlich gemacht.
Teil 5
Kleiner Abstecher nach Afrika.
Oya (oder auch Yansa) entstammt einer Religion, die in vielseitigsten Ausprägungen und Richtungen von den staubigen, sonnenverbrannten Dorfplätzen Benins und Nigerias kommt, die der aus Lehm geformte Legba (Herr der Wegkreuzungen, Schützer der Häuser, Mittler zu allen anderen Gottheiten) bewacht, aus den dampfenden, geheimnisvollen, dämmerschattigen Wäldern des Kongo mit ihren Wurzeln, Spinnen, Schlangen und Geistern, aus den lauten, lebendigen, bunten Dörfern und Städten Haitis, Kubas und Brasiliens, aus den krokodilsäugigen, bluesgeschwängerten Bayous im Süden der Staaten... - diese Religionen fasst man gewöhnlich mit dem Oberbegriff "Voodoo" (auch Vodu oder Vodun) zusammen.
Oya (Yansa) ist in der Yoruba-Religion die Orisha (Gottheit) der Winde, der Stürme und des Blitzes. Auch beherrscht sie die Marktplätze und wacht an den Friedhofspforten. Diese starke, wilde Göttin, eine Kriegerin, steht ganz allgemein für plötzliche, unerwartete, manchmal drastische Veränderungen im Leben. Ihr Gefährte ist Shango, ebenfalls ein Gott der Blitze, der Stürme, im haitianischen Voodoo als Wetter- und Donnergottheit verehrt. Ein wahres "Power-Pärchen", diese beiden! Gert Chesi berichtet uns in seinem Buch "Voodoo in Afrika", die Menschen dort glauben zuweilen, dass Shango selbst durch die Kleinigkeit eines Blitzes aus einem Fotoapparat auf den Plan gerufen werden kann.
Eine weitere, wichtige Voodoo-Gottheit, die mit Blitzen zu tun hat, ist Damballah, der als Schlange dargestellt wird - eine uralte Gottheit der Schöpfung und der kosmischen Energie. Man sagt, als er seine Blitze auf die Erde schleuderte, entstanden an diesen Stellen die "Donnersteine" (dabei handelt es sich um Tektit!). Damballahs Gefährtin ist Ayida Wedo, die "Regenbogenschlange".
Im haitianischen Götterhimmel werden nicht weniger als sechs Dämonen des Sturms gezählt, darunter Agawu, der Stürme und Erdbeben auszulösen vermag, und Guéde-loraye, die als kleingewachsene Frau beschrieben wird, die sich während der Stürme zeigt. Sogbo, der Loa des Blitzes, tritt zusammen auf mit Badè, dem Loa des Windes; gesellt sich Ague, der Herr des Meeres dazu, ist das Unwetter perfekt.
So weit ein kleiner Ausflug in die Gefilde des Voodoo. Für österreichische Verhältnisse weiß ich sicher eine ganze Menge über diese Religionen, und dennoch habe ich bei der verwirrenden Vielzahl an religiösen Richtungen und Gottheiten das Gefühl, ich hab nur an einem ganz kleinen Zipfel eines riesigen Geheimnisses ein wenig gekratzt. Wer Fragen dazu hat, frage mich trotzdem jederzeit! Gerne rücke ich das furchtbare Bild des Voodoo, das viele Österreicher aus amerikanischen Horrorfilmen gewonnen haben, ein wenig zurecht. Viele dieser Filme darf man mit Recht als rassistisch bezeichnen, wie auch eine große Zahl an Indianerfilmen. Voodooanhänger sind in der Mehrzahl keine düsteren Figuren, die den ganzen Tag Schadzauber wirken, Zombies herstellen, Hühner abkrageln und unter Verwünschungen Nadeln in Puppen stechen.
Unterhaltsam war, so hoffe ich nun, mein kleiner Ausflug in die Vergangenheit, zu Sagengestalten und Wettergöttern, zu volksmagischen Wetterbräuchen und gar nicht soooo schrecklichen Wettergeistern aus einer uralten Religion, die sich in vielen Ausformungen über die halbe Welt verbreitet hat.
Danke für's Lesen!