• Willkommen im SAGEN.at-Forum und SAGEN.at-Fotogalerie.
    Forum zu Themen der Volkskunde, Kulturgeschichte, Regionalgeschichte, Technikgeschichte und vielem mehr - Fotogalerie für Dokumentar-Fotografie bis Fotogeschichte.
    Registriere Dich kostenlos, dann kannst Du eigene Beiträge verfassen und eigene Fotos veröffentlichen.

Gefangenenlager Fürstenfeldbruck

Otto

Member
Der Bericht bezieht sich auf das Kriegsgefangenenlager für Deutsche, unter Aufsicht der Amerikaner. Es bestand von Mai bis Juli 1945. (Admin: externer Link existiert nicht mehr)
Ich versuche die Worte meines 82jährigen Vaters wortwörtlich wiederzugeben.

"Da draussen im jetzigen Fliegerhorst war nach´m Krieg a Gefangenenlager, für deitsche Kriegsgefangene. Da wären die Leut fast verhungert und verdurst, weil der Ami hat da fast kei Verpflegung hinschaffen können, es waren zuviel Leut.
Mei Mutter und ich sind mit´m Leiterwagerl hingfahrn, die Mutter hat bei de Bäcker um alt´s Brot bettelt, des hamma den Soldaten nausbracht mi´m Wagal, de sind ja verhungert dort. Und Wasser hats a keins geben, de ham a Blätter von de Bäum gessen. Ein Bauer hat sein Odel*wagen ausg´waschen und Wasser hinbracht, dass´ned verdurschten...ob der ganz sauber worden ist innen?...aber de haben eh alle Durchfall g´habt.
Es sind viele gstorben dort, und sie haben auch Graswurzeln gessen, weils nix geben hat."

(Odel=Jauche)
 
Beachtlich!
Die Situation in den Gefangenenlagern unmittelbar nach Kriegsende ist tatsächlich äußerst schlecht dokumentiert und durch spätere Propaganda der Besatzungsmächte verwischt.

Als Beispiel meiner Region kann ich die schreckliche Kosakentragödie in Lienz, Osttirol, erwähnen, als im Frühsommer 1945 ca 25.000 Kosaken von Österreich wo sie sich halbwegs sicher fühlten, auf Befehl der englischen Besatzung in den sicheren Tod geschickt wurden.
Die Kosakentragödie in Lienz blieb von der Öffentlichkeit außerhalb des Lienzer Talbeckens kaum bemerkt und wurde erst in den letzten Jahren zum Teil mit archäologischen und historischen Methoden aufgearbeitet.

Wolfgang (SAGEN.at)
 
Im Rheinland sind die furchtbaren Zustände in den Gefangenenlagern bei Remagen (Admin: externer Link existiert nicht mehr) im kollektiven Gedächtnis noch sehr präsent, und eine kleine Ausstellung in einem der Remagener Brückentürme hält die Erinnerung daran wach.
 
Es gibt einiges zur Kosakentragödie von Lienz im Web zu finden, sowie auf Youtube ein paar Dokumentationen. Vielleicht ist die Webseite des "Vereins zum Gedenken an die Lienzer Kosakentragödie vom 1. Juni 1945" ein guter Ausgangspunkt.

Bemerkenswert finde ich persönlich, dass es ein paar einzelne Kosaken geschafft haben, in der Nacht aus dem sonst sehr gut bewachten Lager zu fliehen. Diese wurden dann von den englischen Suchtrupps gejagt und mussten sich unter schrecklichen Umständen in den Bergen in Höhlen etc verstecken. Der Innsbrucker Archäologe Harald Stadler hat mit einem Fernsehteam vom ZDF in der sehenswerten Dokumentation "Der Todesritt der Kosaken". Der Todesritt der Kosaken einen solchen Überlebenden getroffen und mit diesem seine ehemalige Fluchthöhle (in Osttirol bis heute "Kosakenlöcher" genannt) besucht.

Der ZDF-Film mit Harald Stadler ist derzeit nicht verfügbar, jedoch eine andere Dokumentation zum Thema:


Der Todesritt der Kosaken einen solchen Überlebenden getroffen und mit diesem seine ehemalige Fluchthöhle (in Osttirol bis heute "Kosakenlöcher" genannt) besucht. Die Schwierigkeit die diese einzelnen Überlebenden hatten, war ja, wem sie trauen konnten und wem nicht? Es gab da auch ganz besondere Heldenleistungen von einheimischen Bauern, die geflohene Kosaken versteckt haben.
Wir sprechen übrigens vom Frühsommer 1945, also der Zeit NACH dem 2. Weltkrieg in Österreich!

Der Terekkosak Nikolaj Presnikov, Vater von Nikolaus Presnik besser bekannt als "Nik P." (Ein Stern (… der deinen Namen trägt...)) war übrigens auch einer der wenigen Überlebenden.

Besonders tragisch muss für die Kosaken die Erschießung ihrer 5.000 mitgebrachten Pferde gewesen sein. Für einen Kosaken bedeutete das Pferd extrem viel und die brutale Erschießung der Pferde war für sie ein deutliches Signal dass sie in den Tod geschickt werden. Es gab daraufhin auch eine schreckliche Suizid-Welle, die auch von der Lienzer Bevölkerung in der Drau mehr als deutlich wahrgenommen wurde.

Bei ganz speziellen Fragen zur Kosakentragödie von Lienz kann ich evt bei den forschenden Wissenschaftlern bei mir im Haus nachfragen.

Wolfgang (SAGEN.at)
 
Danke, sehr ausführlich, da kann man noch was mitnehmen, kenne das auch noch nicht aber würde das gerne mal besuchen! Danke für die infos!
 
""Mit ersten - gedruckten - Aufzeichnungen über Esting ab 1890 wurde man im Brucker Stadtarchiv fündig. Wenn im Oktober dieses Jahres im Pfarrsaal von St. Elisabeth die letzten örtlichen 120 Jahre zeitungsgeschichtlich aufgeschlagen werden, dann erhält dies eine besondere Note durch mündliche Zeitzeugenberichte zum Themenschwerpunkt ‚Kriegsende 1945’. Initiiert hat diese Nachfolgeerinnerung ein weiteres Mal die noch tätige Kreisrätin Renate Grill. Setzt man sich heute mit ihr gemütlich in Anwesen Schlossstrasse 116 beim „Bachlenz“ und zu Georg und Maria Glas mit Hündin Susi (im Fenster!) nieder, ahnt man nicht die Bedeutung dieser Hofanlage vom Mai bis Juli 1945. Hier war mit dem benachbarten „Deschler“-Bauer (Fam. Jais) der Treffpunkt der Estinger zur Rettung der rund 40.000 Gefangenen im Lager Emmering.

Georg Glas, damals 13 Jahre jung, hat noch lebhaft vor Augen, wie die ‚Ami’s’ mit ihrer Jeep-Vorhut von Emmering kommend am 29. April 1945 in die bäuerliche Estinger Beschaulichkeit einrückten. Und er wurde auch Zeuge, als sein kriegsverwundeter Stiefbruder Lorenz noch in den letzten Stunden vor der widerstandslosen dörflichen Kapitulation fünf Sprengsätze der Wehrmacht an der Amperbrücke entschärfte: Die US-Armee konnte also ungehindert Richtung München passieren. Die widerstandslose Übergabe von Esting war der Initiative und der Ranggeltung von Franz Hagn als Chef einer Kraftfahrzeugwerkstatt zu verdanken. Georg Glas erzählt munter über die „Endtage“ des Deutschen Reiches. Und er ist heute noch beeindruckt von der humanitären Leistung der Bevölkerung in den Landkreisen Fürstenfeldbruck und Dachau zur Rettung der Gefangenen in dem schnell von der Besatzungsmacht improvisierten Lager zwischen der heutigen B 471 und dem Fliegerhorst. Ohne diese Hilfe aus der Bevölkerung hätte es hier sehr viele Tote gegeben, denn die Versorgungslage in den ersten Tagen war katastrophal: Es gab nichts zu essen und zu trinken. Dazu kam in den ersten Maitagen große Kälte und man lag Tag und Nacht auf dem nackten Boden. Das Wachpersonal war mit der Situation und der großen Gefangenenzahl total überfordert. An das Leiden unter den Gefangenen erinnert seit 1989 ein Gedenkstein an der heutigen Emmeringer (Rand-)Straße „Zur Denkstätte“. Die Menschen in den umliegenden Dörfern organisierten - energisch unterstützt durch ihre Pfarrern - Lebensmittelsammlungen und Schlachtungen, kochten in großen Behältern Suppen und schafften sie auch gegen anfängliche Widerstände ins Gefangenenlager. Die Einstellung war „Das sind doch unsere Leute, um die es hier geht!“ Zu diesen besonderen Treffpunkten zählte der noch heute große Hofraum beim „Deschler“/“Bachlenz“ der Familien Jais und Glas, damals in der Dachauer Straße, heute die Anwesen Schlossstrasse 118 und 116. Besonders hervor taten sich hier bei den vom späteren Olchinger Ehrenbürger Franz Hagn initierten Hilfsaktionen Markus Holmheim („Ich bin hier der letzte Kommunist …“) und Maria Hagn, geb. Haas. Genauso aufopfernd dabei waren aber auch 20 andere Bürgerinnen und Bürger aus Esting. Georg Glas, Jahrgang 1932 und heute dementsprechend 78 Jahre alt, durfte nicht ins Gefangenenlager, bekam aber alles über seine Eltern Georg und Katharina mit. Er half auf dem Hof, die ehemaligen deutschen Landser im Emmeringer Lager durchzubringen. In einer äußerst schwierigen Zeit, ab Anfang Mai bis Ende Juli 1945, bis zur Auflösung des Lagers. Alle, auch die Nachfahren, können stolz auf diese humanitäre Leistung sein. „120 Jahre Zeitgeschichte Esting“ mit dem Schwerpunkt ‚Kriegsende 1945’, im Pfarrsaal St. Elisabeth, vom (Termin kurzfristig verlegt auf) 15./16.17. Okt. 2010, Ausstellung und Zeitzeugengespräche.""

Ich habe den Text hier noch mal zitiert.
 
Zurück
Oben